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7. August 2019

Jemen: Gespräch mit CARE-Nothelferin Jennifer Bose

Jennifer Bose ist seit 2017 Nothelferin bei CARE Österreich. Gerade ist sie von einem Einsatz im Jemen zurückgekehrt. Im Gespräch beschreibt sie die Lage vor Ort und wie CARE hilft.

Twitter: @jennbose

Im Jemen herrscht die schlimmste humanitäre Krise weltweit. Wie ist die Lage im Land?

Wir sind im vierten Jahr des Konflikts. Die Auswirkungen sind überall zu spüren und zu sehen: in zerstörten Gebäuden, einer zusammengebrochenen Infrastruktur, Wassermangel, einer bettelarmen Bevölkerung. Mehr als 24 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen – und das bei einer Gesamtbevölkerung von ungefähr 30 Millionen Menschen. Die meisten davon sind Kinder. Die Menschen sind auf Hilfe angewiesen, da der Großteil der Wirtschaft im Land zusammengebrochen ist. Die hohe Inflation führt auch dazu, dass Familien sich nichts mehr leisten können. Die hohen Preise betreffen nicht nur Treibstoff, sondern auch ganz alltägliche Dinge wie Lebensmittel und Medikamente.

Von knapp 30 Millionen EinwohnerInnen sollen mehr als 24 Millionen auf Hilfe angewiesen sein. Wie hilft CARE vor Ort?

Wir sind mit 300 Mitarbeitern in zwölf Regierungsbezirken aktiv und unterstützen Familien mit Lebensmitteln und Bargeld und stellen sauberes Wasser bereit. Wir reparieren Wasserstellen, schulen Gesundheitshelfer und verteilen Hygiene-CARE-Pakete, um die Übertragung von Krankheiten zu verhindern. CARE arbeitet hinter den Konfliktzonen, um die Menschen schnellstmöglich zu erreichen und koordiniert die Hilfsmaßnahmen mit den Vereinten Nationen.

Jemen 2019, Foto: CARE

Wo liegen die größten Herausforderungen?

Es ist für Hilfsorganisationen wie CARE extrem schwierig in viele der Gebiete zu kommen, wo Menschen Hilfe brauchen, besonders in den Konfliktzonen. Humanitäre Helfer selbst werden oft zur Zielscheibe gemacht und attackiert, was uns die Arbeit erschwert. Trotz der Hürden ist CARE eine der wenigen humanitären Organisationen vor Ort und erreicht eine Million Menschen monatlich mit Hilfe.

Seit mittlerweile drei Jahren ist nun bereits der Flughafen von Sana’a im Jemen geschlossen. Was sind die schweren Folgen dieser Schließung?

Seit dem 9. August 2016 ist der Flughafen von Sana‘a für Geschäfts- und Zivilflüge geschlossen. Das hindert tausende kranke Zivilisten daran, für überlebensnotwendige medizinische Behandlungen das Land zu verlassen. Laut dem Gesundheitsministerium sind bereits 32.000 Menschen gestorben, weil sie nicht ausreisen konnten. CARE fordert die Kriegsparteien deshalb erneut dazu auf, eine Vereinbarung über die Wiedereröffnung des Flughafens zu treffen. Alle Häfen müssen uneingeschränkt geöffnet bleiben.

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CARE-Helferin Jennifer Bose im Jemen. Foto: CARE

Jennifer Bose im Gespräch mit einer Jemenitin. Foto: CARE

Was muss passieren, damit die Menchen im Jemen wieder eine Zukunft haben?

Wenn nicht bald ein Waffenstillstand erreicht wird, könnte es für viele Menschen zu spät sein. Viele Familien können es sich schon heute nicht mehr leisten, genug zu essen. Der Preis für Speiseöl ist in den letzten Monaten um 200 Prozent gestiegen. Es gibt Frauen, die nur noch einen Löffel Öl am Tag zu sich nehmen. Um das Leben ihrer Kinder zu retten, sind sie oft die letzten, die etwas essen. Trotzdem sind bereits fast fünf Millionen Kinder unterernährt.

Welche Hilfsmaßnahmen werden künftig nötig sein, um die Menschen beim Wiederaufbau zu unterstützen?

Neben der akuten Nothilfe wird besonders langfristige Hilfe benötigt. Seit Anfang des Krieges 2015 sind über 200.000 Menschen umgekommen. Der Jemen gehörte schon vor dem Krieg zu einer der ärmsten Regionen im mittleren Osten. Der Krieg hat die Entwicklung des Landes um 21 Jahre nach hinten geschoben. Um den Menschen langfristig helfen zu können, braucht der Jemen eine politische Lösung – und das ist nicht nur die Aufgabe von der UN, humanitären Organisationen und den Kriegsparteien, sondern allen Ländern, die ihren Teil zu diesem Konflikt beitragen. Es ist dabei unabdingbar, dass die Menschen und Zivilgesellschaft im Jemen involviert werden, besonders Frauengruppen.

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