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3. August 2015

Irak: „Wir haben auf Steinen geschlafen“

900.000 Menschen in den Nordirak geflohen

Im August 2014 lebte Zahara, 30, mit ihrem Ehemann Samer und ihren fünf Kindern in ihrem Haus in einem Dorf im SindscharGebirge. Zahara und Samer haben die letzten zehn Jahre damit verbracht, an ihrem Haus zu arbeiten.

„Unser Leben war nicht perfekt“, sagt Zahara lächelnd: „Wir hatten unser Haus zur Hälfte fertig gebaut. Wir sind es sehr langsam angegangen – Stück für Stück. Es gab keinen Strom und nicht viel Wasser. Aber es war besser als das hier.“ Ihre Augen wandern durch das kleine Zelt, in dem es nichts gibt außer einer dünnen Matratze und etwas Plastik zwischen ihren Füßen und dem Erdboden. „Wir mussten fliehen und alles zurücklassen.“

Zahara lebt jetzt mit ihrer Familie in einem kleinen Zelt, drei mal vier Meter, in einem Flüchtlingscamp im Nordirak. Fast 15.000 Menschen sind hier. Laut den Vereinten Nationen sind über 900.000 Menschen in den Nordirak geflohen.

Es war acht Uhr morgens, als die Familie Soldaten kommen hörte. „Wir hatten Angst zu bleiben. Wir haben das Haus blitzschnell verlassen und liefen. Mit unseren Kindern sind wir alle zusammen über das Sindschar-Gebirge geflohen. 14 Tage waren wir unterwegs. Es war hart“, sagt sie und muss durchatmen. „Ich kann noch immer nicht glauben, dass das wirklich passiert ist.“

 

„Auf Steinen geschlafen“

„Wir waren hungrig und durstig. Nachts haben wir eng aneinander geklammert auf Steinen geschlafen. Ich kann auch jetzt noch nicht in der Nacht schlafen. Immer wenn ich meine Augen schließe, sehe ich sie – sie, die uns angegriffen haben.“

Von draußen dringen die Stimmen von lachenden Kindern in das Zelt. Der mit neun Jahren älteste Sohn Sader und seine fünfjährige Schwester Diana schieben ihre Geschwister mit einer Schubkarre in der Gegend herum. Zahara, eine wachsame Mutter, schaut sofort nach dem Rechten. Das Camp ist der Spielplatz der Kinder.

Sich auf das Leben hier einzustellen, war nicht einfach für die Familie. „Unser Leben fühlt sich an wie in einem Gefängnis“, sagt Zahara. „Es gibt hier keine Aussicht auf Besserung – außer wieder nach Hause zu kommen. Ich möchte wieder nach Sindschar. Das ist kein Leben hier, vor allem nicht für meine Kinder.“

„Ich möchte meine Familie nach Hause bringen“

„Als wir hier ankamen, hatten unsere Kinder zunächst die ganze Zeit über Angst. Bei dem kleinsten Geräusch weinten sie und riefen ‚Oh Nein! Sie kommen‘.  Mein Mann und ich haben eine Menge Zeit damit verbracht ihnen klar zu machen, dass sie hier sicher sind. So viele andere Familien wurden getrennt: Eltern von ihren Kindern, Schwestern von ihren Brüdern. Unsere Kinder hatten große Angst, dass dies auch ihnen passieren könnte.“

Zahara ist um das Wohlergehen ihrer Kinder sehr besorgt. Sie sagt, sie will sicherstellen, dass sie zur Schule gehen können, vor allem ihre Töchter.

„Ich hatte nie die Möglichkeit, zu studieren“, sagt sie. „Aber jetzt schicke ich meine Kinder zur Schule. Bildung ermöglicht ihnen ein besseres Leben, vor allem Mädchen müssen zur Schule gehen. Sie müssen in der Lage sein, logisch zu denken. Wir müssen Arabisch verstehen. Ich wünschte, ich wüsste mehr, damit ich, wenn ich meine Kinder zu einem Arzt bringe, verstehe, was ihre Probleme sind und was der Arzt empfiehlt.“

Um die Lebensbedingungen im Camp zu verbessern organisiert CARE mit Harikar, einem lokalen Partner, die Müllbeseitigung. 20 Camp-Bewohner sind für einen Monat angestellt, sammeln Müll und säubern die Anlage. Ein anderes Team ist für die Toiletten und Duschen verantwortlich.

 

Alle möchten ihr altes Leben zurück

Ein Arbeiter in einem grellen gelben Overall läuft an Zaharas Zelt vorbei und sammelt Müll ein – Kaugummipapier, Zigarettenstummel und Plastikbeutel. „Wir sind den Arbeitern sehr dankbar“, sagt Zahara. „Es ist gut, ein sauberes Camp zu haben. Wir sehen sie jeden Tag. Sie machen einen wirklich guten Job.“

Sader kommt ins Zelt und setzt sich neben seine Mutter. Weil er seine Hände nicht richtig bewegen und keinen Stift halten kann, geht er nicht zur Schule. Er hat jetzt seinen eigenen Traum. „Ich möchte ein Fahrer werden“, sagt er. Seine erste Fahrt hat er schon geplant: „Ich möchte meine Familie nach Hause bringen“, sagt er. „Ich möchte unser altes Leben zurück.“

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