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16. August 2019

Humanitäre Heldin: Nizhan Ramadhan, Irak

CARE Helferin Nizhan (rechts) mit Mädchen. Nordirak. Foto: CARE

Nizhan Ramadhan, 26, arbeitet für CARE im Irak. Zum Welttag der Humanitären Hilfe erklärt sie, warum ihr der Kampf für Frauenrechte besonders am Herzen liegt.

Welches Bild haben Sie vor Augen, wenn sie den Begriff Nothelfer hören? Vermutlich ein in Khaki gekleideter Held, der weit entfernt von seiner Heimat arbeitet? Vielleicht ein Österreicher, Brite oder Amerikaner?

Viele Nothelfer arbeiten im Ausland. Doch die meisten Menschen, die für Hilfsorganisationen wie CARE arbeiten, sind lokale Mitarbeiter – wie Nizhan. Nizhan arbeitet für CARE im Nordirak, dort ist sie geboren und aufgewachsen. Sie unterstützt Frauen und Mädchen, die vor Gewalt geflohen sind, und setzt sich dafür ein, dass jeder Mensch unabhängig von seinem Geschlecht die gleichen Chancen hat.

Die meisten Menschen, denen Nizhan hilft, sind Jesiden – eine ethnische Minderheit, die unter dem Islamischen Staat brutale Gewalt erleiden musste. Tausende Frauen und Mädchen wurden versklavt und vergewaltigt. Die Geschichte einer 26-jährigen Jesidin berührt Nizhan besonders: „Sie musste fünf Jahre lang unter dem IS leben, verlor Mann und Sohn. Jetzt lebt sie ohne Geld mit ihren fünf Kindern in einem Camp. Sie weinte, als sie mir erzählte, was sie erlebt hat.“  

CARE schult lokale Gesundheitshelferinnen im Irak und leistet psychologische Hilfe. Nizhan und ihre Kolleginnen unterstützen Vertriebene auch dabei Kleinunternehmen zu gründen und eigenes Geld zu erwirtschaften. „Männer haben geregelte Arbeitszeiten, aber Frauen nicht. Sie arbeiten rund um die Uhr wie Maschinen. Meistens sind dann aber die Männer diejenigen, die entscheiden, wie das Geld ausgegeben wird.“

Nizhan erzählt, dass viele Frauen Frühheirat, Zwangsehen und wenig Mitsprache bei der Familienplanung ausgesetzt sind: „Die meisten 30-jährigen Frauen in den Camps waren nicht einmal 18 Jahre alt, als sie heirateten. Mit 13 oder 14 Jahren wurden sie zur Ehe gezwungen. Das ändert sich jetzt Schritt für Schritt.“

Religiöse und lokale Anführer konnten im Laufe der Zeit für ein Umdenken gewonnen werden. Sie haben Macht und Einfluss auf die Einstellungen der Menschen. Eine große Rolle spielen auch lokale humanitäre Helfer. „Wenn internationale Mitarbeiter über Geschlechtergerechtigkeit oder die Stärkung von Frauen reden, denken religiöse Anführer das seien westliche Ansichten und man wolle ihre Frauen beeinflussen“, so Nizhan. „Wenn wir darüber reden, unsere Erfahrungen teilen und aussprechen, dass Frauen und Mädchen es besonders schwer haben, ist das etwas Anderes.“

Auch Nizhan hat schon negative Erfahrungen gemacht. Als sie anfing zu arbeiten, wurde sie von vielen Menschen verurteilt, weil sie ohne männliche Begleitung auf Reisen ging. „Für viele Menschen ist es ungewohnt, eine alleinstehende Frau ohne familiäre Begleitung mit Männern sprechen zu sehen, geschweige denn zu hören, dass sie sich für Frauenrechte einsetzt“, erklärt sie. „Viele Frauen haben nicht den Mut, öffentlich zu hinterfragen. Sie sind gebildet, haben Fähigkeiten und Kenntnisse, können aber nicht arbeiten. Und genau hier müssen wir weitermachen. Wir müssen für uns kämpfen.“

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