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17. Dezember 2015

„Für manche bin ich schwach“

Bericht aus Uganda von Katharina Katzer, Media Officer CARE Österreich

Wir treffen Patrick Okello in der Nähe von Gulu, einer Stadt im Norden von Uganda, die ca. fünf Autostunden von der Hauptstadt Kampala entfernt ist. Zwanzig Jahre lang hat hier ein blutiger Bürgerkrieg geherrscht, seit 2006 gibt es ein Waffenstillstandsabkommen.

Besonders die Frauen haben furchtbar unter den Schrecken dieses Krieges gelitten. Auch heute ist Gewalt an Frauen und Mädchen keine Seltenheit.

CARE Österreich arbeitet hier seit mehreren Jahren mit Förderung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit daran, die Situation der Frauen auf wirtschaftlicher, aber auch psychosozialer Ebene zu verbessern.

Patrick mit seiner Frau Eveline. Foto: CARE

Für die Frauen: Das geht nur mit den Männern
Das geht nicht ohne Hilfe und Einbeziehung der Männer, womit wir wieder bei Patrick sind. Es fällt ihm nicht leicht, dennoch erzählt er sehr offen von seinem früheren Verhalten: „Ich habe zu viel getrunken und das ganze Geld, das eigentlich für die Familie bestimmt war, für Alkohol ausgegegeben.“ Für seine Familie, gibt er zu, war er nie da. Seine Frau musste Kindererziehung, Haus- und Feldarbeit alleine erledigen und konnte nicht auf seine Unterstützung zählen. Nicht nur das: „Ich habe meine Frau auch regelmäßig geschlagen.“

Patrick und seine Frau im Kreise weiterer DorfbewohnerInnen. Foto: CARE

Dank der Unterstützung von CARE und der Partnerorganisation G-WED hat sich das Leben von Patrick und seiner Familie – er ist Vater von sechs Kindern – zum Besseren gewandelt. Er hat mit dem Trinken aufgehört. Patrick gesteht, dass das nicht einfach war, weshalb er den Alkoholkonsum schrittweise reduziert hat. In eigenen, von WORUDET bereit gestellten Kursen lernte er gemeinsam mit anderen Männern wie wichtig Familienplanung, Gesundheit für Frau und Kinder, Schulbildung und Respekt im Miteinander sind. Und dass auch Hilfe bei der schweren täglichen Arbeit zu einem besseren, friedlichen Zusammenleben beiträgt. Patrick wurde zum sogenannten „Role Model Man“.

Ehefrau ist Zeugin für den Wandel
Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese männlichen „Role Models“ einen großen, positiven Einfluss auf die Gemeinschaft haben. Patrick betreut heute zehn Haushalte: Er gibt den Familien sein gelerntes Wissen und seine gelebte Erfahrung weiter. Dazu kommt, dass seine Frau ihn auf diesen Besuchen bei anderen Familien begleitet, um ein „lebendiges“ Zeugnis davon abzulegen, wie sich ihre Situation – und die der gemeinsamen Kinder – seit Patricks Veränderung verbessert hat und dass nun mehr Frieden in der Familie herrscht.

„Manche Männer finden, dass ich schwach bin, weil ich mit meiner Frau zusammenarbeite und mir die Verantwortung mit ihr teile“, erzählt Patrick. Diejenigen, die ihn und seine Familie besser kennen lernen, kommen meist zu einem anderen Urteil: „Wenn meine Frau dann erzählt, wie sehr sich ihr Leben zum Positiven verändert hat, wie viel Frieden nun in der Familie herrscht, dass alle Kinder die Schule besuchen, dann sehen sie die Vorteile.“

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