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14. September 2015

Flüchtlinge: „Nach dem Krieg wollen wir zurück“

Von Barbara Jackson, Humanitarian Director CARE International

„Wir hoffen es nicht nur, sondern wir haben fest vor, dass wir bald zurückkehren und unser Leben für unsere Familien und Kinder wieder aufbauen können. Wir sind stolz darauf, wer wir sind und wir wollen unser Heimatland zurück.“
Dies ist eine typische Aussage, die wir im August bei unserem Besuch bei syrischen Flüchtlingen in Siedlungen in Jordanien gehört haben. 

Junge Frauen und Männer engagieren sich dort mit all ihrer Energie für andere, die sich in noch schlimmeren Situationen als sie selbst befinden. Es ist großartig, wie sie die Hoffnung in sich tragen und sie mit anderen teilen. 

Zusammen mit CARE-Teams finden sie Möglichkeiten für Unterstützung, die sich an jene Geflüchteten richten, die sich verloren und orientierungslos fühlen. Viele haben nicht nur ihr Zuhause zurück gelassen, sondern auch ihr Selbstbewusstsein, ihr Identitätsgefühl und – vielleicht das Wichtigste – ihren Glauben daran, dass es irgendwann ein Ende in dieser schwersten und längsten humanitären Krise seit dem Zweiten Weltkrieg geben kann.

Meine Arbeit mit CARE hilft mir, Hoffnung zu geben

„Im Moment bin ich einfach glücklich, dass ich als Volontär für CARE arbeiten und meinen syrischen Schwestern und Brüdern in dieser dunklen Zeit helfen kann, in der wir nicht wissen, wie wir die nächste Miete und die Medizin für unseren Vater bezahlen sollen und was wir tun werden, wenn unsere Lebensmittelgutscheine um mehr als die Hälfte reduziert werden.“

„Meine Arbeit mit CARE hilft mir, Anderen Hoffnung zu geben. Sie hält mich körperlich und geistig aktiv und die Hoffnung in mir lebendig“ sagt ein anderer syrischer Volontär.

Vierfacher Vater sorgt für 15 Personen

Bei unserem Besuch trafen wir auch einen vierfachen Vater. Er kümmert sich um insgesamt 15 Personen: seine vier Kinder, die sechs Kinder und Witwe seines verstorbenen Bruders, seine Frau und zwei Geschwister mit körperlichem und geistigem Handicap. „Ich weiß nicht, was ich mir wünschen oder auf was ich hoffen soll – es ist nichts mehr da.“

„Danke fürs Zuhören!“

Und doch, als wir sein temporäres Zuhause verlassen wollen, in dem er sich absichtlich für die letzten zwei Monate abgeschottet hatte, um kein Geld auszugeben, rennt er zur Tür und sagt zu unserem Übersetzer: „Bitte sag ihnen Danke dafür, dass sie mich haben reden lassen, fürs Zuhören. Ich fühle mich allein dadurch schon besser. Danke!“

Der simple Akt, eine solch herzzerreißende Geschichte anzuhören – eine, die mehr als 12 Millionen Mal multipliziert werden kann – scheint angesichts dieser tragischen Situation eine armselige Geste der Freundlichkeit zu sein. Aber sie schenkte einem Mann an diesem Tag ein Gefühl der Anerkennung und Unterstützung.

Wir sehen zu viele, die auf dem Weg nach Europa sterben

Die Nachrichten sind voll von Geschichten über die Folgen der Flüchtlingsströme aus diesem Teil der Welt in Richtung Europa, wo die Menschen hoffen, Trost und Sicherheit zu finden. Sie riskieren ihr Leben und das ihrer Familien, und wir sehen zu viele auf ihrem Weg sterben. In Brüssel, in und zwischen den europäischen Hauptstädten werden Diskussionen darüber geführt, wie viele Flüchtlinge aufgenommen werden und wie die Staaten am besten Hilfe leisten können.

Zeit für gemeinsame Anstrengungen, um Flüchtlingen zu helfen

Es ist allerhöchste Zeit, dass gemeinsame Anstrengungen unternommen werden, um auf die steigenden Flüchtlingszahlen zu reagieren, ohne die Menschen in Gefahr zu bringen, die nur eines suchen: Sicherheit.

Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass der Libanon, die Türkei und Jordanien beinahe 4 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen haben. Diese Länder sind in den vergangengen Jahren großzügige Gastländer gewesen und kämpfen nun selbst mit der Last auf ihre eigenen Systeme und Gemeinden.

„Wir wollen und werden wieder nach Hause gehen“

Auf meiner Rückreise nach Genf und auch jetzt, wo ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen die Arbeit zur Hilfe in Syrien sowie den Nachbarländern und in Europa intensiviere, höre ich immer wieder die Stimme dieses jungen Mannes aus D’ara.

Er war einer der ersten, die an den friedlichen Protesten gegen das Assad-Regime teilnahmen, und sah wie seine Freunde und Nachbarn dafür getötet wurden. Seine Stimme hallt in meinen Ohren wider: „Wir wollen und wir werden nach Hause gehen. Man muss uns nur die Chance dazu geben. Dieser Krieg muss aufhören.“

 

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