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21. Oktober 2015

CARE Talks: im Gespräch mit Elizabeth Brezovich, Gender Advisor bei CARE Österreich

Elizabeth ist gerade von ihrer Projektreise nach Äthiopien zurückgekehrt. Dort hat sie sich die Fortschritte beim Projekt „Berchi“ angesehen. Dieses Projekt verbessert die Ernährungssituation von 11.000 Haushalten: Vor allem Frauen werden dabei unterstützt, sich eine nachhaltige Existenzgrundlage zu schaffen.

Im Gespräch mit Eva Draxler berichtet sie über ihre Reise und was sie am meisten beeindruckt hat:

„Ein Mann hat mir ganz offen erzählt, dass er früher seine Frau geschlagen hat. Was mich beeindruckt hat: Heute kocht er Kaffee, was in Äthiopien eine klassische ‚Frauensache‘ ist. Er unterstützt seine Frau im Haushalt und regt sie dazu an, an unseren Projektaktivitäten teilzunehmen“, schildert Elizabeth. „Als Berchi im Jahr 2013 ins Leben gerufen wurde und wir die ersten Diskussionsrunden mit Frauen und Männern formierten, war noch nicht absehbar, dass die Männer tatsächlich die klassischen Geschlechterrollen überdenken würden“.

Jetzt, nach etwas mehr als zwei Jahren, sind die Veränderungen nicht zu übersehen: Alleinstehende Frauen sind nicht mehr ausgeschlossen, sondern werden in lokale Entscheidungen eingebunden, Männer übernehmen „Frauentätigkeiten“ im Haushalt und Frauen pflügen Felder – etwas vollkommen Untypisches in Äthiopien.

Innerhalb von Kleinspargruppen, die den Grundstock des Projekts bilden, hat das Format der Diskussionsrunden Wurzeln geschlagen. Elizabeth hat dafür gemeinsam mit den CARE-KollegInnen vor Ort ein Handbuch erarbeitet, das als Anleitung für die Beschäftigung mit Themen wie Kommunikation, Bewältigung von Konflikten im Haushalt und in der Gemeinde, Selbstachtung und Gleichstellung dienen soll.

Werden die Frauen jedoch von ihren Männern bei den täglichen Arbeiten unterstützt und erfahren Wertschätzung und Freiheiten, so wirkt sich das positiv auf die gesamte Familie und die Dorfwirtschaft aus – und eben auch auf die Versorgung mit Nahrungsmitteln. „Eine Dorfbewohnerin hat mit erzählt ‚Mein Mann hat mir beigebracht zu Pflügen und jetzt pflüge ich unser eigenes Feld. Anfangs haben manche Gemeindemitglieder über mich gelacht. Ich habe ihnen gesagt, die Aufgaben mit meinem Mann zu teilen und nicht an den traditionellen Rollen festzuhalten hat es für uns leichter gemacht hat, unsere Familie mit Essen zu versorgen. Ich habe meinem Mann beigebracht, wie man Essen zubereitet und er kocht gerne. Allerdings muss er noch lernen, wie man einen guten Kaffee macht‘“, erinnert sich Elizabeth lachend. So können so auch andere Familienmitglieder diese Aufgaben übernehmen, sollte jemand krank werden.

Viele der TeilnehmerInnen des Berchi-Projekts werden sich immer mehr bewusst, dass Ernährungssicherheit nicht nur mit klimatischen Bedingungen, sondern auch mit traditionellen Geschlechterrollen zu tun hat. Auf Frauen lasten die Erziehung der Kinder, der Haushalt und die Versorgung der Tiere und Feldarbeit. Oft ist es ihnen verboten, auf den Markt zu gehen oder sie bestimmen nicht selbst über ihr Einkommen.

„Der wissenschaftliche Beleg dafür, dass die Stärkung der Frauen zur Ernährungssicherheit beiträgt, ist noch ausständig. Daran arbeitet unser Team gerade. Doch positive Veränderungen sind seit 2013, als wir das Projekt gestartet haben, deutlich spürbar.“

Nähere Informationen zum Projekt „ Berchi – be strong“ finden Sie hier.

Weiterführendes über den CARE Gender Fokus gibt es hier.

Als Gender Advisor ist Elizabeth dafür zuständig, gemeinsam mit den KollegInnen vor Ort Projektaktivitäten zu entwickeln, die sicherstellen, dass Frauen gestärkt und Geschlechterrollen transformiert werden.

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