Diese Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen.
Mit der Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden. Alle Details finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

12. Februar 2018

Blog: Woran denken Sie beim Kongo als Erstes?

Foto: Carey Wagner/CARE

Von David Bisimwa, Koordinator der Nothilfe von CARE in der Demokratischen Republik Kongo

Woran denken Sie als Erstes, wenn das Wort “Kongo” fällt? Ich tippe auf Gewalt, Armut und Konflikte. Ich bin selbst Kongolese. Ich habe mein ganzes Leben hier gelebt und um ehrlich zu sein, sind Sie mit diesen drei Begriffen ziemlich nah an der Realität dran. Aber hören Sie davon in den Medien? Nein. Deshalb steht die Demokratische Republik Kongo in einem CARE-Report auf der Liste der „Zehn vergessenen Krisen von 2017.“

Wir im Kongo haben so viel Gewalt erlebt, dass wir uns gar nicht mehr an ein Leben ohne sie erinnern können. Sie gehört mittlerweile für viele zu unserem Alltag. An manchen Orten werden schon am Morgen rund ein Dutzend Menschen getötet und am Nachmittag redet schon keiner mehr darüber. Das Leben geht weiter.

Schreckliches Ausmaß an Gewalt

In Kasai, wo schreckliches Ausmaß an Gewalt rund 1,5 Million Menschen vertrieben hat, habe ich einen Mann mit einem Messer gesehen. Er saß einfach nur da und verletzte sich selbst. Er war blutverschmiert am ganzen Körper. Die Gewalt hier hat niemanden verschont und tiefe Narben in der Psyche der Menschen hinterlassen.

Zwar erreicht uns auch Unterstützung, die dringenden Bedarf nach Nahrung, Trinkwasser und Unterkunft abdeckt, aber psychosoziale Hilfe muss auch Teil der Notmaßnahmen sein. Umso wichtiger ist die Arbeit von CARE, die genau diese dringend benötigte Hilfe Vergewaltigungsopfern in der Region Kasai zukommen lässt.

Überall neue Krisenherde

Überall im Kongo entstehen gerade neue Krisenherde. Die Gewalt und die Probleme einer Region, springen oft wie ein Funke auf die nächste über. Im Norden von Kivu sind eine Million Menschen auf der Flucht. Diese fruchtbare Region würde hervorragende Bedingungen für Ackerbau bieten. Jedoch müssen die Leute wegen der Gewalt dort in größere Städte fliehen, die oft auf den ersten Blick mehr Sicherheit bieten. Die große Anzahl von Menschen, die in diese Städte kommen, überfordert die Strukturen dort.

Ich arbeite jetzt fast 20 Jahre im Bereich der humanitären Hilfe im Kongo. Vor kurzem hat mich jemand gefragt, was das schlimmste an meinem Job ist. Ganz einfach: Es ist der Mangel an finanziellen Ressourcen. Jeden Tag sterben Menschen im Kongo auf Grund von Gewalt und Konflikten und wir haben schlicht nicht ausreichend Mittel, um ihnen allen zu helfen.

Rund 13 Mio. Menschen brauchen Hilfe

Wir rechnen damit, dass allein dieses Jahr rund 13 Millionen Menschen im Kongo auf humanitäre Hilfe angewiesen sein werden. Auf die Zahl der EinwohnerInnen gerechnet ist das jede/r Sechste.

Es braucht gar nicht viel, um den Menschen zu helfen. Doch ohne Ressourcen können wir nicht viel machen. Das bedeutet, dass wir nur einen kleinen Teil der sieben Millionen Menschen erreichen können, die nicht genug zu essen haben. Es bedeutet auch, dass wir uns manchmal gezwungen sehen, Hilfe in Regionen teilweise zurückzufahren, weil sie anderen Landesteilen gebraucht wird, in denen sich neue Konflikte entwickeln.

CARE ist seit 1994 in der Demokratischen Republik Kongo präsent und konzentriert die Hilfe auf die Stärkung von Frauen und Jugendlichen und Kindern.

zurück zur Übersicht