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7. Februar 2018

Blog: Gefängnis Gaza?!

Die Welt der Bewohner von Gaza ist sehr eng. Sie misst 365 Quadratkilometer und ist damit etwas kleiner als Wien. An den Grenzen gelten jeweils 300 Meter als No-go-Zone und ein Kilometer als Hoch-Risiko-Zone. Drinnen sorgt ein islamistisches Regime für sektiererische Stimmung, und zudem werden die internationalen Hilfsgelder weniger, weil andere Krisenherde mehr Aufmerksamkeit bekommen und es schwierig ist, Menschen in einem Land zu helfen, mit dessen Verwaltung man aus rechtlichen Gründen nicht kooperieren darf.

Eine der vielen ausländischen Hilfsorganisationen, die in Gaza tätig sind, ist CARE Österreich. Ihre Leute versuchen so gut es geht, das Leben möglichst vieler Menschen zu verbessern, ohne dabei an den Strukturen der Hamas-Verwaltung anzustreifen. Im Krieg beschädigte Brunnen werden repariert, Frauen ohne Einkommen werden an einer Hühnerfarm beteiligt, die sie nach einer Einschulung selbst betreiben sollen. Doch das Wichtigste am Engagement internationaler Helfer in Gaza ist ihre schiere Anwesenheit und das Vermitteln einer Kultur, die der Islamismus zu unterdrücken versucht: ökonomische Selbstständigkeit und politische Mitbestimmung von Frauen zum Beispiel.

René Celaya, der Länderdirektor von CARE für das Westjordanland und Gaza, schildert das Problem: „Frauen sind in der palästinensischen Politik nach wie vor unterrepräsentiert, das wirkt sich klarerweise auf ihr Leben und ihren Alltag aus. Wir wollen dazu beitragen, eine palästinensische Gesellschaft zu stärken, in der Frauen in größerem Maße als bisher politisch aktiv sein können.“ Einfach ist das in einem islamistischen Umfeld nicht. CARE kooperiert mit vielen jungen Aktivistinnen lokaler Organisationen, die wiederum Frauen in ihrer Umgebung ermuntern sollen, für ihre Anliegen einzutreten. Fast alle Aktivistinnen tragen ein Kopftuch, und bei der Durchsetzung der Frauenrechte beginnen viele erst einmal bei sich selbst: Eine der Frauen ist frisch verheiratet, und die Familie ihres Ehemanns will nicht, dass sie ihr Studium fortsetzt, weil sie dabei allein in der Stadt unterwegs ist. Sie sagt, sie werde auf ihrem Recht beharren.

(Der Text ist ein Ausschnitt eines Artikels von Profil-Journalist Robert Treichler, der im Herbst 2017 gemeinsam mit CARE Österreich Gaza besucht hat. Der Audio-Beitrag stammt von Christian Lerch und wurde im Rahmen der Ö1-Sendereihe Diagonal ausgestrahlt.)

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