Diese Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen.
Mit der Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden. Alle Details finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

19. Februar 2015

Balkan: Sei ein Mann, ändere die Spielregeln

CARE arbeitet vielerorts für die Gleichstellung der Geschlechter. Mit der Young Men Initiative läuft derzeit in Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo und Serbien ein Programm zur Gleichberechtigung, in dem für einmal nicht Frauen die Hauptrolle übernehmen, sondern junge Männer. Das Ganze läuft unter dem Titel: Be a man – change the rules! (sei ein Mann, ändere die Spielregeln“). Wir haben uns mit John, Crownover unterhalten, einem Amerikaner, der bereits seit Jahrzehnten mit Jugendlichen in der Balkanregion arbeitet.

“Ich arbeite nun schon ziemlich lange für CARE in der Balkanregion, seit 1998, um genau zu sein. Zurzeit arbeite ich in einem Programm mit, das versucht, junge Männer dazu zu bewegen, sich mit „Gender“ und Gleichberechtigung auseinanderzusetzen.

Wir legen Wert darauf, fragwürdigen Männeridealen entgegenzuwirken. Wir setzen im Schulsystem an, und zwar in den Berufsschulen, die hauptsächlich von Männern besucht werden. Junge Lehrer halten spezielle Stunden ab, in denen über geschlechtsspezifische und sexuelle Gewalt, Fortpflanzung und Homophobie geredet wird.

In den meisten Gesellschaften gibt es ein typisches Männerbild: Männer sollen stark, fast aggressiv sein. Auch wenn viele Menschen diese Einstellung nicht teilen, sprechen sie sich auch nicht öffentlich dagegen aus. Ihr Schweigen ebnet aber genau denen den Weg, die dieses Männerbild verkörpern und ausleben. Im Balkan etwa gibt es den typischen „Macho“: Er wechselt häufig die Partnerin, trinkt viel, ist gewaltbereit, besucht das Fitnesscenter und legt Wert auf seine Nationalität.

Die Reaktion auf unsere Kurse ist oft dieselbe: Einige der jungen Männer sind zunächst skeptisch, doch dank dem geringen Altersunterschied zwischen Lehrern und Schülern sowie der Interaktivität im Unterricht lassen sie sich schnell begeistern. Außerdem erhalten sie in den Kursen die Möglichkeit, Themen zu diskutieren, die zu Hause kaum angesprochen werden. Auch von den Eltern werden die Kurse gut aufgenommen – inzwischen gibt es auch Eltern, die auf uns zukommen, um ihre Kinder in unseren Kursen anzumelden.

Wir führen auch Theaterstücke auf, in denen sich die Jugendlichen mit ihrer Rolle als Mann in der Gesellschaft und in der Beziehung zu Frauen auseinandersetzen. Dies läuft unter einer Kampagne mit dem Titel: „Sei ein Mann, ändere die Spielregeln“.

Der Krieg hinterlässt Spuren

Das Ganze begann eigentlich so: Es wurde in Bosnien und Herzegowina zum Thema sexuelle und reproduktive Gesundheit geforscht. In unserer Gesellschaft gibt es große Probleme in der Nachkriegsgeneration: Viele Familien sind arbeitslos, die Kinder haben Probleme in der Schule. Wenn die Kinder in Familien aufwachsen, in denen Gewalt akzeptiert ist, ist das Risiko groß, dass sie später selber Gewalt ausüben werden. Das Problem muss daher vorbeugend gelöst werden.

2008 begannen wir mit der Testphase des Programms, heute arbeiten wir in ca. 30 Schulen der Region. Unser langfristiges Ziel ist es, ein Pflichtprogramm in Schulen einzuführen. Es gibt solche Programme auch in anderen Ländern, in Burundi oder der Demokratischen Republik Kongo zum Beispiel.

Die Rahmenbedingungen sind natürlich nicht dieselben: In ärmeren Regionen, wo nicht alle Kinder zur Schule gehen können, müssen andere Anknüpfungspunkte und -orte gefunden werden.

Was mir an der Arbeit gefällt? Ich arbeite seit 1996 mit jungen Menschen, und ich stellte früh fest, dass es viele Lücken gibt. Die Jugendlichen sind desillusioniert, die meisten würden ihr Land am liebsten verlassen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Doch dieser „Braindrain“ hilft dem Land natürlich nicht. Die PolitikerInnen versuchen leider, den Nationalismus zu verstärken. Ich arbeite gerne mit jungen Menschen zusammen und diskutiere mit ihnen die Maskulinität in unserer Gesellschaft.

In letzter Zeit haben wir uns stark mit Forschungsarbeiten über Vaterschaft beschäftigt und welche Auswirkungen die Präsenz/Absenz des Vaters auf das Familienleben haben. In Zukunft würde ich mich also gerne auch den Vätern zuwenden.“

Hier geht’s zum Projekt: Be a Man – Change the Rules!

Weitere Beiträge, die Sie interessieren könnten:

Ein Video mit Teilnehmern der Young Men Initiative.

Weitere Videos finden Sie hier.

CARE Talks: Im Gespräch mit Lex Kassenberg

Der gebürtige Niederländer Lex Kassenberg, CARE-Länderdirektor in Nepal, war kürzlich in Österreich. Wir sprachen mit ihm über weltweite Einsätze, die Vereinbarkeit seines Berufs mit einer Familie und einen ganz „normalen“ Arbeitstag, wenn die Katastrophe – wie etwa der Taifun Haiyan – hereinbricht.

zurück zur Übersicht