6. Dezember 2017

Aus dem Nichts zurück ins Leben

Es war mitten in der Nacht, als Fatima plötzlich von verzweifelten Hilferufen aufwachte. „Sie schütteten Benzin auf die Häuser und riefen ‚das sind Häuser von Christen, wer ist Muslim‘“, erinnert sich Fatima. „Sie kamen mit Benzin und Zündhölzern, und wir rannten so schnell wir konnten.“ Im allgemeinen Chaos wurde Fatima von ihrem Mann und den vier Söhnen getrennt.

Sie flüchtete in die Dunkelheit als ihr Dorf zu brennen begann. Fatimas Großvater und Neffe überlebten diese Nacht nicht. Aber das blieb nicht ihr einziger Verlust: „Auf der Flucht, als ich so viel gelaufen bin, hatte ich eine Fehlgeburt. Ich war im dritten Monat schwanger.“

Im Nordosten Nigerias benötigen aufgrund von Konflikt, Vertreibung und Hunger rund 13,8 Millionen Menschen dringend Hilfe.

Selbstmordattentate, Entführungen, sexuelle Gewalt: Boko Haram greift nach wie vor gezielt die Zivilbevölkerung an. Frauen sind am schlimmsten betroffen. CARE stellt sicher, dass Frauen in den entlegensten Gebieten Zugang zu Gesundheitszentren haben und unterstützt Opfer von sexueller Gewalt.

Die Krankenschwester untersucht die Herztöne des Babys. Foto: Josh Estey/CARE

Trotz ihrer starken Blutungen schaffte sie es bis nach Maiduguri, wo sie mehrere Monate im Krankenhaus verbringen musste. Am Ende konnte sie mit ihren Kindern, und ein Jahr später auch mit ihrem Mann wieder vereint werden. Heute arbeitet ihr Mann als Landarbeiter und baut Tomaten, Zwiebeln und anderes Gemüse an. Fatima hingegen ist im neunten Monat schwanger. Es ist ihre erste Schwangerschaft seit der Flucht.

Erst kürzlich hat sie von einer Klinik gehört, die von CARE unterstützt wird. In einem 2-Zimmer-Haus, gespendet von einer lokalen Familie als Ersatz für das von Boko Haram niedergebrannte Krankenhaus, werden jetzt Vorsorgeuntersuchungen für Schwangere und Mütter durchgeführt.

„Es ist das erste Mal, dass ich solche Untersuchungen bekomme“, erzählt Fatima. In dem Paket, das sie von CARE bekommen hat, befinden sich u.a. Binden, Seife, Waschmittel und ein Stück Stoff. Die Klinik verteilt auch Geburten-Pakete, die sterilisierte Klingen zum Durchtrennen der Nabelschnur enthalten. Denn: Hausgeburten sind hier angesichts der Ausgangssperre ab 21.00 normal.

Was den Zugang zu Familienplanung, geburtshilflicher Notfallversorgung und Behandlung von Überlebenden von sexueller Gewalt betrifft, ist die Lage in Nord-Nigeria alles andere als rosig. Fast die Hälfte aller Gesundheitzentren in Borno wurde von Boko Haram zerstört. Die Müttersterblichkeit ist hier drei bis vier Mal so hoch wie im nationalen Durchschnitt. CAREs Programm für Müttergesundheit ermöglicht 450.000 Frauen und Mädchen in der Region Zugang zu diesen wichtigen Gesundheitsleistungen.

Fatima hat sich zusammen mit ihrem Mann bereits über Möglichkeiten zur Familienplanung informiert. Vorerst konzentriert sie sich jedoch auf die Geburt ihres Kindes. Den Stoff aus dem CARE-Paket möchte sie zu Kleidern für sich und ihr Baby machen: „Wir werden sie bei der Taufe tragen“, sagt sie mit einem Lachen.

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