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7. April 2017

Giftgasangriff in Syrien: Solidarität reicht nicht mehr.

Von Richard Hamilton aus Amman (Jordanien), CARE

Ein kleiner Junge ringt nach Luft, das Atmen fällt ihm zunehmend schwerer. Er kämpft um sein Leben. Seine Atmung wird immer flacher, immer unregelmäßiger, weil sich seine Lungen mit Flüssigkeit füllen. Bald wird er tot sein. Um ihn herum Kinder mit Schaum vor dem Mund, andere krampfen.

Dies sind nur einige der unschuldigen Opfer eines mutmaßlichen Chemiewaffen-Angriffs in der syrischen Stadt Chan Schaichun, bei dem es diese Woche mehr als 50 Tote und hunderte Verletzte gab. Unter ihnen viele Kinder. Im Netz gab es zahlreiche Aufnahmen und Bilder des verheerenden Angriffs, viele davon zu grausam, um sie in den Nachrichten zu zeigen.

Schon in der Vergangenheit ging bei schockierenden Bildern des Syrien-Konflikts ein großer Aufschrei durch die internationale Gemeinschaft. Das Bild des dreijährigen Alan Kurdi, der leblos an einem türkischen Strand lag, hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Vielleicht hat dies mehr als alles andere dazu beigetragen, dass Menschen sich eine Meinung über den Konflikt und in diesem Zusammenhang natürlich auch über die Flüchtlingskrise bilden.

Zerstörtes Wohnhaus in Aleppo. Foto: CARE

Es bestehen kaum Zweifel daran, dass das Bild des kleinen Alan die Entscheidung vieler Regierungen im Jahr 2015 beeinflusste, Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak aufzunehmen und ihr Augenmerk wieder auf die Region zu richten. Nach Jahren der Belagerung, nach immer weiteren Angriffen und Bildern aus Städten wie Aleppo scheinen die erneuten Angriffe zwar zu erschüttern, aber gleichzeitig schon fast zur Normalität geworden zu sein.

Nach sechs blutigen Kriegsjahren in Syrien frage ich mich, was noch Schreckliches passieren muss, damit die Welt endlich handelt und eine politische, friedliche Lösung für diesen Konflikt findet.

Seit dem Beginn des Syrien-Konflikts gab es unzählige internationale Konferenzen mit großen Zielen. Nur wenige davon versprachen Unterstützung für die Zivilbevölkerung, die weiter leiden muss. Diese Woche fand eine Konferenz in Brüssel zu Syrien statt, als am Dienstag Chan Schaichun angegriffen wurde. Der Zeitpunkt des Angriffs war eine schonungslose Erinnerung für die Teilnehmer der Syrien-Konferenz, dass es nicht ausreicht, Solidarität zu versprechen.

Eine politische Lösung ist die einzige Möglichkeit, das Massaker und das Elend zu beenden.

Bis diese gefunden wurde, muss es finanzielle Unterstützung geben, damit Syrer geschützt werden, egal wo sie sind. Die UN bestätigte, dass der humanitäre Bedarf in Syrien stark angestiegen ist. Dort sind mittlerweile 13,5 Millionen Menschen in Not. Ohne ein sofortiges und andauerndes Ende der Bombardierungen und Kampfhandlungen werden die Zivilisten weiter leiden.

Wenn diese furchtbaren Ereignisse geschehen, schalten viele Leute zuhause einfach ab, schauen und hören nicht mehr hin. Wir möchten mit der schockierenden Wahrheit nicht immer konfrontiert werden.

Aber das ist keine Option, wenn mehr als eine halbe Million Menschen unter Belagerung ausharren müssen. Drei Millionen Kinder, die während des Krieges geboren wurden, kennen nichts anderes außer Tod und Zerstörung.

Sie zählen auf unsere Menschlichkeit, unsere Unterstützung und unsere Fähigkeit, unsere politischen Verantwortlichen unter Druck zu setzen, damit sie mehr tun, um endliche eine diplomatische Lösung zu finden. Syrien zu ignorieren ist keine Option.

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