Datum: 10. Oktober 2012

CARE zum 1. Internationalen Tag des Mädchens am 11. Oktober:

Den Teufelskreis von (Zwangs-)Heiraten durchbrechen!


Wien, 10.10.2012 - Anlässlich des am 11. Oktober zum ersten Mal stattfindenden „Internationalen Tages des Mädchens“ macht die Hilfsorganisation CARE auf das Problem der (Zwangs-)Verheiratung minderjähriger Mädchen aufmerksam: In vielen armen Ländern ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mädchen vor seinem 18. Lebensjahr verheiratet wird, höher als seine Chance auf einen Sekundärschulabschluss. Täglich werden an die 25.000 Mädchen verheiratet, oftmals  zwangsweise und mit erheblich älteren Männern – jährlich muss von mindestens 10 Millionen „Kinderbräuten“ ausgegangen werden. Am häufigsten kommen Kinderhochzeiten in Südasien vor, wo 46% aller Mädchen zum Zeitpunkt ihrer Eheschließung unter 18 Jahre alt sind; in Afrika südlich der Sahara sind es 38 Prozent.

Minderjährige Ehefrauen werden doppelt so häufig von ihren Ehemännern geschlagen wie erwachsene Frauen. Auch das Risiko, mit Aids/HIV oder anderen Krankheiten infiziert zu werden, ist für sie besonders hoch bzw. wirken sich Schwangerschaften oft tödlich aus: Unter 15-jährige Mädchen sterben fünf Mal häufiger bei einer Geburt als über 20-jährige Frauen. Dazu kommt, dass Mädchen, die früh verheiratet werden, meist ihre Schulbildung abbrechen müssen und damit die Chance auf ein eigenes Einkommen und ein selbstbestimmtes Leben verlieren.

 

Die Ursachen für die Verheiratung von Kindern sind vielfältig – u.a. sehen sich viele Eltern aus Armut dazu gezwungen, ihre Töchter möglichst früh aus dem Haus zu geben und sich damit die Kosten für ihre Ernährung, Kleidung und Schulbildung zu ersparen. In manchen Gemeinschaften gehören Kinderhochzeiten auch einfach zur „Tradition“, die nicht hinterfragt wird. „Es ist ein Teufelskreis“, bedauert CARE-Geschäftsführerin Andrea Wagner-Hager. „Kinder werden aus der Schule genommen und bekommen selbst Kinder, die sie oftmals kaum ernähren können und darum früh verheiraten.“ Als Gegenstrategie setzt CARE neben der Bekämpfung von Armut vor allem auf Bildung und Aufklärung. So wird die Problematik von Kinderheiraten regelmäßig im Rahmen von CARE-Kleinspargruppen thematisiert, an denen Mütter minderjähriger Töchter ebenso wie potenziell von (Zwangs-)Verheiratung bedrohte Mädchen teilnehmen. Zudem fördern zahlreiche CARE-Projekte die Schuldbildung von Mädchen. Beispielsweise wird derzeit in einer Schule in Nakatindi im Süden von Sambia ein neuer Schulblock für die 8. und 9. Klasse errichtet. Bis jetzt konnten nur sieben Schulstufen angeboten werden. Während Jungen ihre Schulausbildung in einer weiter entfernten Schule abschlossen, wurden die Mädchen nach der 7. Klasse aus der Schule genommen, weil der lange Schulweg für sie massive Gefahren, darunter sexuelle Übergriffe, bedeutet hätte.   


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