„Im Zentrum der Krise steht der Niger, wo sieben Millionen Menschen, nahezu die Hälfte der Bevölkerung, nicht ausreichend zu essen haben. Weitere zwei Millionen Menschen im Tschad, und Hunderttausende in Mali, Mauretanien, Teilen von Burkina Faso und im äußersten Norden von Nigeria leiden an Hunger. Jüngste Auswertungen zeigen, dass im Niger 17 Prozent der Kinder unter fünf Jahren akut unterernährt sind. Diese Zahl ist um mehr als ein Drittel höher als im vergangenen Jahr. Dem dürfen wir nicht tatenlos zusehen“, appelliert die Geschäftsführerin von CARE Österreich, Andrea Wagner-Hager.
Die Organisationen fordern ein politisches Engagement auf höchster Ebene, damit umgehend mehr finanzielle Mittel zur Linderung der größten Not bereitgestellt werden. Insbesondere fordern die Organisationen die Vereinten Nationen (UN) auf, einen Beauftragten für die Krise zu ernennen, damit die Hilfsmaßnahmen aller beteiligten Länder beschleunigt werden. Zusätzlich solle mit den Regierungen der betroffenen Länder und der Geberstaaten verhandelt werden.
Obwohl seit sechs Monaten gewarnt wird, sind die bereitgestellten finanziellen Mittel bis jetzt nur dürftig und liegen knapp 107 Millionen US-Dollar hinter dem Ziel der UN. Die Hilfsorgani¬sationen fordern daher die Industrienationen auf, ausreichend finanzielle Mittel zur Verfü¬gung zu stellen. Verzögerungen bei der Finanzierung haben dazu geführt, dass Nahrungs¬mittel erst spät gekauft und in den betroffenen Gebieten verteilt werden konnten. Im Niger beispielsweise starteten die Nahrungsmittelverteilungen des Welternährungs¬pro¬gramms (WFP) zu spät und weniger Menschen erhielten dadurch Hilfe.
„Wir fanden eine Gruppe von fast 200 Familien inmitten der Wüste. Sie saßen fest, waren von ihrer sterbenden Rinderherde umgeben, und hatten nur noch Nahrungsmittel für weniger als drei Wochen“, sagte Stéphane Petitprez, Nothilfekoordinator von CARE im Niger. „Eine andere Familie hatte einen Konvoi mit fünf Kamelen auf einem Dreitagesmarsch zum Markt geschickt, um Hilfe zu holen. Sie schafften es nicht. Die Kamele starben auf dem Rückweg.“ Petitprez weiter: „Die Tiere sterben, und damit stirbt auch die Zukunft dieser Familien. Wir haben gewarnt, dass dies passieren würde. Die internationale Gemeinschaft muss jetzt handeln, damit die Situation sich nicht noch weiter verschärft.“
Dürre, Missernten, Schädlingsbefall, steigende Nahrungsmittelpreise und die chronische Armut in der Region haben dazu geführt, dass Nahrungsmittel knapp werden und das Weideland austrocknet. Die Menschen müssen ihre Heimat und ihre hungernden Tiere zurücklassen und ihre Habseligkeiten aufzugeben. Solche verzweifelten Maßnahmen zeigen nicht nur das Ausmaß der Krise, sondern untergraben auch die Bemühungen um langfristige Entwicklung, warnen die Hilfsorganisationen.
Der Niger, das ärmste Land der Welt, ist mit mehr als 7,1 Millionen Hilfsbedürftigen am schwersten betroffen. Fast eine halbe Millionen Kinder unter fünf Jahren sind akut mangelernährt. Ihnen drohen irreversible Gesundheitsschäden oder der Tod, wenn sie nicht schnell behandelt werden. Die Getreideernte ist um 30 Prozent gesunken, und das verfügbare Weideland, das besonders für die Viehzucht wichtig ist, liegt zu 60 Prozent unter den Bedürfnissen.
Im Tschad, einem Land, das zusätzlich von einem lang andauerndem Konflikt betroffen ist, leiden rund zwei Millionen Menschen unter der Nahrungsmittelknappheit. Es gibt Berichte von Frauen, die Samen von Ameisenhaufen essen. In einigen Gegenden sind 27 Prozent der Bevölkerung mangelernährt. Zudem sind Hunderttausende in Mali, Burkina Faso und im nördlichen Nigeria von der Krise betroffen.
„Die Sahelzone ist eine der fragilsten klimatischen Regionen der Welt, was sich auf die Nahrungssituation der lokalen Bevölkerung auswirkt. Ohne Basisversorgung haben die Menschen unter diesen extremen Bedingungen keine Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Deshalb ist Hilfe dringend notwendig“, so Wagner-Hager abschließend.
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