Wie würden Sie die Situation mehr als zwei Wochen nach Beginn der Überflutungen in Pakistan beschreiben?
Es regnet weiter, wir sind mitten in der zweiten Phase des Monsun. Und jeder Monsun hat drei Phasen. Die allgemeine Situation verschlechtert sich, wenn man bedenkt, dass die Vereinten Nationen mittlerweile von bis zu 3,5 Millionen Kindern spricht, die von Krankheiten bedroht sind, die durch verunreinigtes Wasser übertragen werden.
Das klingt, als könnten die Hilfsorganisationen nicht helfen?
CARE und andere Organisationen arbeiten am Limit. Sogar jetzt, während des Fastenmonats Ramadan, wird rund um die Uhr gearbeitet. Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen im Nordwesten des Landes und im Süden versorgen wir die Menschen mit dem Nötigsten.
Was macht CARE genau? Welche Art von Hilfe leistet Ihre Organisation?
Mit unseren Partnern unterstützen wir mobile Kliniken in den Provinzen Khyber Pakhtunkhwa (KPK) und Sindh. Die Not leidenden erhalten dadurch Zugang zu Erster Hilfe und grundlegender medizinischer Versorgung. Unmittelbar nach Beginn der Überschwemmungen haben wir auf unsere Lager zurückgegriffen, in denen CARE Hilfsgüter für Notfälle wie diesen bereit hält. Darunter Zelte, Kleidung, Hygiene-Sets sowie Kochgeräte, die bereits alle in den am Schlimmsten betroffenen Gebieten von Nowshera und Charsadda verteilt wurden. Weitere Hilfsgüter werden so bald wie möglich im Punjab und in Sindh verteilt.
Es gibt Befürchtungen, dass die Hilfe nicht bei der Not leidenden Bevölkerung ankommt, sondern in dunklen Kanälen landet. Wie sehen Sie das?
Die Herausforderungen hier sind angesichts des Ausmaßes der Katastrophe enorm. Aber die Hilfe kommt bei jenen an, die sie brauchen. Das kann ich allen versichern, die CARE unterstützen wollen. Unsere lange Erfahrung in der Katastrophenhilfe und die gute Vernetzung unserer Partner vor Ort garantieren das gemeinsam mit einem rigorosen Kontrollsystem, das sicherstellt, dass die Hilfe direkt zu den Menschen in Not geht.
Was wird am Meisten gebraucht?
Die drei wichtigsten Dinge hängen miteinander zusammen: Aufgrund der steigenden Anzahl von hungernden Überlebenden der Flut wird dringend Nahrung benötigt. Hygiene hat ebenfalls Vorrang. Stehendes Wasser bei 40 Grad Hitze sowie hohe Feuchtigkeit sind die perfekte Basis für Krankheiten, die durch verunreinigtes Wasser übertragen werden. Schlechte hygienische Bedingungen bedrohen vor allem Frauen und Kinder. Den Vereinten Nationen zufolge sind bis zu 3,5 Millionen Kinder von Seuchen bedroht. Die dritte dringliche Aufgabe ist, Unterkünfte zu schaffen. Viele der Zelte, die nach dem Erdbeben nach Haiti geschickt wurden, stammen aus Pakistan und fehlen jetzt hier.
Wie wird sich die Situation in den nächsten Wochen entwickeln?
Wenn wir bald - und da spreche ich nicht nur von CARE -, ausreichende Geldmittel erhalten, können wir viel besser als bisher auf die Katastrophe reagieren und auch deutlich mehr Hilfsbedürftige erreichen. Wenn nicht, möchte ich nicht darüber nachdenken, was mit den Millionen Not leidenden passiert, die bis jetzt noch keine Hilfe erhalten haben und auf sich allein gestellt sind.