Frauen brechen das Schweigen
„Ohne meine Söhne wollte auch ich nicht mehr weiterleben. Mein Leben war bedeutungslos“, erzählt Carla. Eine weitere Frau erhebt sich und sagt mit starker Stimme: „Ich habe meinen Vater, meinen Onkel und meinen Mann verloren. Täglich frage ich mich, ob ich aufstehen soll.“ Trotz der harten Schicksalsschläge wird beim Treffen der Frauengruppe im CARE-Flüchtlingslager Paimol Mutto im Norden Ugandas gelacht, getanzt und gesungen. Die Frauen machen sich gegenseitig Mut und geben einander Kraft.
Brutale Gewalt
Carla Akidi gehört zu jenen 290.000 Menschen, die alleine in der Region Pader während des Konflikts Zuflucht in Lagern suchten. Dörfer wurden abgebrannt, Vergewaltigungen, Folter und Entführungen waren tägliche Wegbegleiter. „Mütter mussten zusehen, wie die Lord’s Resistance Army ihre Kinder entführte. Ihre Söhne wurden als Kindersoldaten und ihre Töchter als Leibeigene missbraucht“, sagt Rose Amulen, die Leiterin des CARE-Frauenprojektes in Uganda. Carla hatte sieben Kinder, heute leben nur noch drei. „Sie kamen mehrfach, mitten in der Nacht, und haben sie mit Waffengewalt entführt“, so Carla. „Ich konnte jahrelang nicht darüber sprechen, mit niemandem.“ Ihre Söhne kamen nie wieder zurück.
Flüchtlingslager: Frauen geraten in Abhängigkeit
Carla kam eigentlich über einen Sparverein zur Frauengruppe. Einkommensgenerierende Maßnahmen stärken die finanzielle Unabhängigkeit der Frauen. Einzel- oder Gruppengespräche helfen, sich den Erinnerungen zu stellen. So hat Carla erfahren, dass auch andere Mütter ihre Kinder verloren haben: „Die meisten Hilfsorganisation gaben uns Decken, Seifen oder Töpfe, aber keine hat die harte Realität unserer Leben so berührt wie CARE.“ In Beratungsstellen betreut CARE die Opfer des Krieges psychologisch und medizinisch. „Wir konnten keinem unsere traumatischen Erlebnisse erzählen. Doch die Menschen im Beratungszentrum haben unser Vertrauen gewonnen“, sind sich die Frauen einig.
Anwaltschaftliche Aktivitäten
CARE sensibilisiert politische und religiöse Führer durch Diskussionsrunden für die Rechte der Frauen und fordert in Zusammenhang mit der UN-Resolution 1325 die Beteiligung von Frauen an den Friedensverhandlungen. Eine neue Verfassung sowie eine nationale Gender-Politik zur formellen Gleichstellung der Rechte von Frauen und Männern wurden bereits ratifiziert. Damit die Rechte nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern zur Realität der Frauen werden, ist es noch ein langer Weg. Ein Weg, den CARE mit ihnen geht.











