„Du bist eine Hexe!“
Kuleshwori Devis Leid begann, als ihr Schwager unerwartet starb. Kurze Zeit später starb auch ihr Neffe. „Plötzlich fing das ganze Dorf an zu tuscheln,“ erzählt sie. „Sie flüsterten, ich hätte die beiden mit Flüchen belegt und sei in Wahrheit eine Hexe.“ Eines Abends wurde Kuleshwori niedergeschlagen und so lange verprügelt bis ihr das Blut aus Nase, Ohren und Mund lief und sie ohnmächtig wurde. Als sie wieder zu sich kam, war sie in einem Raum gefangen und wurde vergewaltigt. Niemand half ihr. Kuleshwori konnte aus ihrem Dorf im Südosten Nepals fliehen. Sie hat überlebt, aber sie wagt es nicht Anzeige zu erstatten.
Keine Chance für Frauen
Frauen in Nepal, die der Hexerei beschuldigt werden, haben keine Chance sich zu verteidigen. Die meisten leben in extremer Armut, haben kaum Bildung und haben als Alleinstehende oder Witwen keinen (männlichen) Rückhalt, der ihnen Schutz bietet. Sie werden beschimpft, gedemütigt, geschlagen, von ihren Familien verstoßen, manchmal auch ermordet. Die wenigen Frauen, die es wagen, sich an die Polizei zu wenden, werden weggeschickt, mit der Aufforderung ihre Probleme selbst zu lösen.
CARE unterstützt öffentliche Diskussion
Die „Hexenverfolgung“ ist eine besonders brutale Form der Gewalt an Frauen, die CARE in Nepal gemeinsam mit den Organisationen FEDO (Female Dalit Organisation) und Sancharika Samuha (Forum of Women Communicators) in Kathmandu öffentlich thematisierte. An der Diskussionsveranstaltung nahmen auch der Frauenminister Nepals, die Präsidentin der National Women´s Commission, ein Vertreter der Polizei, MenschenrechtsaktivistInnen und MedienvertreterInnen teil.
Keine Anzeige gegen Täter
Auch Kalli Kumari erzählte dort ihre Geschichte: „Mehrere Leute aus dem Dorf waren krank und hatten Fieber. Der Schuldirektor begann plötzlich zu verbreiten, ich hätte sie verhext. Erst sprach niemand mehr mit mir, dann wurde ich geschlagen und eingesperrt. Als ich nach Wasser und Essen verlangte, brachten sie mir ein Glas Wasser, in das Benzin gemischt war.“ Kalli floh und informierte die lokalen Behörden, die ihr nur rieten, mit dem Direktor zu sprechen, aber keine Schritte gegen die Täter einleiteten.
Gewalt an Frauen sichtbar machen
Während Kalli von ihren Schmerzen und den Wunden der Misshandlungen ihrer „Hexenaustreibung“ erzählt, bricht sie in Tränen aus. Doch sie möchte ihre Geschichte zu Ende erzählen. Denn erstmals wird in Nepal öffentlich über dieses Thema gesprochen. Durch die große Medienresonanz der von CARE mitinitiierten Diskussion - in fast allen Tageszeitungen Nepals wurde berichtet, im Fernsehen ExpertInnen befragt und Solidarität mit den verfolgten Frauen bekundet – ist ein erster Schritt für die Frauen Nepals gesetzt.











