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Frauenbeschneidung: CARE-Erfolg in Äthiopien

In diesen Jugendlichen liegt die Zukunft. Sie könnten die Tradition von Selot zur Geschichte machen.

Akle Hamadu hat seine Frau verloren. Seine Tochter soll gesund aufwachsen.

Das Nomadenvolk der Afar lebt im Nordosten des Landes

Akle Hamadu war im Dorf einer der ersten, der seine Tochter nicht beschneiden ließ. Damit ist er auf viel Widerstand gestoßen. Heute denkt die äthiopische Regierung sogar über ein Gesetz gegen die Beschneidung von Mädchen nach.

"Das Mädchen mit der Klitoris"
Abena Akle hat es nicht leicht. Sie wird in der Schule oft gehänselt. Nicht weil sie etwa dick wäre - dafür werden Kinder vielleicht bei uns ausgelacht. Abena geht aber in Doha zur Schule, einem Dorf in Äthiopien. Dort gilt es als schön, dick zu sein. Aber es gilt als hässlich, eine Klitoris zu haben. Abena ist nicht beschnitten, sie ist "das Mädchen mit der Klitoris".

Ritual mit Folgen
Die Afar sind ein Nomadenstamm, der im Nordosten des Landes lebt. 95 Prozent der Frauen sind beschnitten. "Selot" heißt das Ritual, das die meisten Mädchen unter 12 Jahren erleiden müssen. Die Beschneiderin entfernt dabei Klitoris, innere Schamlippen und die inneren Schichten der äußeren Schamlippen. Eine Behandlung mit lebenslangen Folgen: Entzündungen, Schmerzen beim Urinieren, Komplikationen bei Geschlechtsverkehr und Geburt, Unfruchtbarkeit, HIV/AIDS wegen unsterilisierter Messer und oft auch der Tod.

CARE trifft die Würdenträger der Afar
Abenas Vater Akle Hamadu kennt diese Folgen. Seine Frau ist während einer Schwangerschaft gestorben. Vor drei Jahren hat er dann beschlossen, Abena Akle nicht beschneiden zu lassen. Er war einer der ersten, und es war schwierig. Heute ist es viel leichter. Die Akzeptanz ist gestiegen, seitdem sich 76 politische und religiöse Würdenträger bei einem Treffen, das CARE im Dezember 2004 initiiert hat, öffentlich gegen Selot ausgesprochen haben. "Es fühlt sich jetzt an wie nach einer guten Dusche", sagt Akle Hamadu.

Das Erreichte erhalten
Auch Abena merkt, dass es leichter geworden ist. Außer ihr sind noch drei Mädchen in der Klasse nicht beschnitten, im ganzen Dorf sind es 15. "Es ist ein langer Prozess, die Tradition ist tausend Jahre alt", sagt Christina Stummer, die im Wiener CARE-Büro für das Projekt verantwortlich ist. "Wir haben viel erreicht, aber es erfordert viel Arbeit, um das Erreichte zu erhalten und nicht wieder zurück zu fallen."

CARE setzt auf "Advocacy"
Um das zu verhindern, setzt CARE jetzt auf "Advocacy"-Arbeit - Lobbying. Das heißt, man bezieht Regierungsstellen in seine Bemühungen ein, versucht, rechtliche Grundlagen zu schaffen. "Das Interesse ist da", sagt Stummer, "auch die offiziellen Gesundheitsstellen werden jetzt die Aufklärung über Selot betreiben." Man diskutiert auch über ein Gesetz, das Selot verbieten soll. Nur: Wen soll man bestrafen? Die Beschneiderinnen? Die Väter, die es anordnen? Die Mütter, die es zulassen? Es ist schwierig, tausend Jahre alte Traditionen zu durchbrechen. Aber es ist nicht unmöglich.

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