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Bulgarien: "Opfer nicht zu Verbrecherinnen machen"

Dobriana Petkova

CARE Trafficking-Expertin Dobriana Petkova copyright: Niko Formanek / Fotodienst.at

Opfer von Menschenhandel

Jährlich werden auch nach Österreich zwischen 10.000 und 15.000 Frauen zur Prostitution gebracht.

Opfer von Menschenhandel

Die meisten Opfer von Menschenhandel sind Frauen, die dann in anderen Ländern sexuell ausgebeutet werden, aber auch immer mehr Kinder.

CARE-Aufklärungsprojekt in Bulgarien

Ein CARE-Aufklärungsprojekt in Bulgarien hilft potenziellen Opfern, sich vor Menschenhandel zu schützen.

Seit 2003 betreut CARE in Bulgarien ein Programm zur Prävention von Frauenhandel - ein dieStandard.at-Interview mit Trafficking-Expertin Dobriana Petkova.

Bulgarien ist Haupt-Transitland für Menschenhandel
Die Opfer sind in den meisten Fällen Frauen: Sie hoffen auf ein besseres Leben, einen besseren Job, neue Perspektiven – und enden in Ausbeutung, Prostitution und Kriminalität. Seit 2003 betreut CARE in Bulgarien ein Aufklärungsprogramm zur Prävention von Frauenhandel. Den meisten Menschen ist die Gefahr nämlich gar nicht bewusst, sagt CARE-Trafficking-Expertin Dobriana Petkova im dieStandard.at-Interview.

dieStandard.at: Welche Menschen sind am meisten gefährdet, in die Fänge von Menschenhändlern zu geraten?
Dobriana Petkova: Das Problem hat sich in den letzten Jahren leider auf verschiedenste Gruppen ausgeweitet: Die meisten Opfer sind Frauen, die dann in anderen Ländern sexuell ausgebeutet werden, aber auch immer mehr Kinder – manche werden sogar von den eigenen Eltern für ein paar hundert Euro an die Händler verkauft.

dieStandard.at: Wie kommen die Menschen in Kontakt mit den Händlern?
Dobriana Petkova: Eine Video-Künstlerin hat im Rahmen unseres Projekts einen Versuch gewagt und als versteckte "Händlerin" eine Anzeige aufgegeben: "Junge, gut aussehende Absolventinnen der Kunstgeschichte für deutsche Galerie in Griechenland gesucht". Innerhalb kürzester Zeit hatte sie 30 Antworten von jungen Frauen mit Uni-Diplom. Sie hat alle zu einem Interview eingeladen, sie gefragt, ob sie schon übermorgen abreisen könnten und ähnliches. Keine der Frauen hat die Seriosität des Angebots angezweifelt – am Ende hat sich die Künstlerin zu erkennen gegeben, sie gefragt, ob sie schon von Menschenhandel gehört hätten und ihnen erklärt, in welche Gefahr sie sich im Ernstfall begeben hätten.

dieStandard.at: Was können Sie im Rahmen des Projekts tun, um mehr Bewusstsein für die Gefahren von Menschenhandel zu schaffen?
Dobriana Petkova: Das Wichtigste ist Information – sie ist das beste Mittel, um dieser modernen Form der Sklaverei wirkungsvoll entgegenzutreten. Gemeinsam mit lokalen Initiativen organisieren wir deshalb landesweite Ausstellungen, produzieren Aufklärungsbroschüren sowie Film- und Fernsehspots, halten Vorträge in Schulen und Jugendzentren, um auf die potenziellen Gefahren hinzuweisen. Dabei versuchen wir, spezifisch auf die verschiedenen Zielgruppen einzugehen.

dieStandard.at: Wenn Frauen verschleppt wurden und wieder nach Hause zurückfinden – was erwartet sie dort? Wer nimmt sich ihrer an?
Dobriana Petkova: Nur allzu oft werden sie als Verbrecherinnen und nicht als Opfer gesehen – das muss sich ändern. Meist kommen sie als Deportierte ins Land zurück, weil sie in einem anderen Land von der Polizei ohne Papiere aufgegriffen und zurückgeschickt worden sind.

dieStandard.at: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den anderen Initiativen und NGOs im Land, die sich um das Thema annehmen?
Dobriana Petkova: Leider sehr schlecht: Die Regierung übernimmt viel zu wenig Verantwortung: Es gibt zwar zum Beispiel Gesetze, den Menschenhandel betreffend, aber sie wurden in der Praxis nicht implementiert, sind also nutzlos. Die nationale Anti-Trafficking-Kommission ist zur Zeit zum Beispiel gar nicht besetzt, weil es kein Personal gibt. Und es bräuchte dringend länderübergreifende Präventionsprogramme, denn auch die "Empfängerländer" müssen sich dem Thema Menschenhandel stellen.

In Kooperation mit

Lesen Sie das gesamte Interview auf dieStandard.at.


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