Datum: 24. Oktober 2012

"Das ist meine Geschichte"

Von Howard Mollett und Kate Hunt

 

Nur sehr selten haben Frauenrechtsaktivistinnen aus Ländern wie Nepal oder Uganda die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mit hochrangigen DiplomatInnen und VertreterInnen des UN-Sicherheitsrats zu teilen. Vergangene Woche aber war es so. Auf Einladung von CARE sind Aktivistinnen aus Nepal und Uganda nach New York City gereist, um ihre Initiativen vorzustellen. Am runden Tisch saßen am 18. Oktober neben UN-DiplomatInnen auch StaatenvertreterInnen (Österreich, Norwegen u.a.m.) und VertreterInnen von UN-Friedensmissionen.


Anlass des vom International Peace Institute (IPI) und CARE veranstalten Treffens war die jährliche offene Debatte im UN-Sicherheitsrat zur Umsetzung der UN-Resolution 1325. In der im Oktober 2000 verabschiedeten Resolution wurde zum ersten Mal die wesentliche Rolle von Frauen in Friedensprozessen hervorgehoben. Auch betont sie, dass Frauen und Mädchen in Konfliktsituationen besonders geschützt werden müssen. Jedes Jahr wird die Umsetzung der UN-Resolution 1325 im Rahmen einer offenen Debatte der UN-Sicherheitsratmitglieder überprüft. Dabei steht heuer die Rolle von Zivilorganisationen im Vordergrund.


Am Treffen nahmen drei Vertreterinnen von Frauenrechtsorganisationen und drei CARE-MitarbeiterInnen aus Nepal und Uganda teil:
Bhagawati Pudasaini (Gründerin des „Rural Women’s Service Centre in Nepal“)
Gyanu Poudyal (Gründerin von NAMUNA, ein lokaler Verein für Entwicklungszusammenarbeit in Nepal)
Indu Pant Ghimire (Gender Advisor bei CARE Nepal)
Sarita Karki (Leiterin des „Women and Youth as Pillars of Peace“ Projekt in Nepal)
Orach Godfrey Otobi (Direktor des CARE-Programms zur Frauenstärkung in Norduganda)
Leah Chatta-Chipepa (Geschäftsführerin der regionalen Zivilorganisation „Akina Mama wa Afrika“ zur Unterstützung von Frauen in Führungspositionen)


Die Aktivistinnen erklärten, wie die Situation in ihren Ländern aussieht und wie sie mit Unterstützung von CARE Initiativen zur stärkeren Teilhabe von Frauen an politischen Prozessen umsetzen konnten. In Nepal führten die Bemühungen von CARE und anderen lokalen Organisationen zur starken Einbindung der Zivilbevölkerung in die Ausarbeitung des Nationalen Aktionsplans zur Umsetzung der Resolution 1325. Unter anderem werden Frauen durch die Arbeit auf Gemeindeebene mit nationalen Initiativen vernetzt und durch Trainings unterstützt.
Die afrikanischen Regierungen in der Große-Seen Region hingegen haben sich im Zuge eines Treffens im Dezember 2011 verpflichtet, die hohe sexuelle Gewalt gegen Frauen in ihren Ländern zu bekämpfen. So werden Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Ruanda und Uganda zu Beginn der diesjährigen „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ (vom 25. November bis 10. Dezember) „Keine Toleranz“ -Kampagnen gegen geschlechterspezifische Gewalt auf nationalen Ebenen starten.

 

Am runden Tisch in New York wurden nicht nur schon existierende Initiativen zur Umsetzung von UN-Resolution 1325 besprochen, sondern auch zukünftige Ansätze für eine stärke Einbindung
von Frauen in Friedens- und Sicherheitspolitik diskutiert. Dabei lieferten die CARE Projektansätze gute Beispiele, die auch in anderen Regionen angewendet werden können.

 

 

 

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Im Zuge des Forums am 18.10. wurden zahlreiche Empfehlungen zusammengestellt.

 

 

Diese Veranstaltung wurde

 

 

 

   
Bhagawati aus Nepal erzählt ihre Geschichte:

 

„Ich wuchs als eines von fünfzehn Kindern in einem Dorf in Nepal auf. Mit vierzehn Jahren wurde ich verheiratet. Jeden Morgen musste ich um 4 Uhr aufstehen, um zu kochen und unser Haus zu putzen. Jede Nacht bevor ich schlafen ging, musste ich die Füße meiner Schwiegereltern massieren. Als ich schwanger wurde, traten Komplikationen auf. Ich starb beinahe, denn es gab keinerlei medizinische Versorgung in meinem Dorf. Letztendlich brachte mich meine Familie zu einem Krankenhaus in der Stadt, wodurch ich überleben konnte. In diesem Moment entschloss ich mich, dafür zu kämpfen, dass Frauen Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten. Ich organisierte Veranstaltungen und Diskussionsrunden zu dem Thema. Später schloss ich mich der Genossenschaftsbewegung an und gründete die erste von Frauen geleitete Genossenschaft in meinem Bezirk.

 

Zu dieser Zeit hatten die maoistischen Revolutionäre in meinem Bezirk viel Zulauf. Staatliche Sicherheitsbehörden beschuldigten mich, meine Kolleginnen für die Maoisten zu mobilisieren. Sie kamen in mein Dorf und verschleppten mich und sechs andere AktivistInnen. Als sie uns mitnahmen, hatte ich gerade meine Periode – sie verboten mir, eine Binde zu benützen oder andere Medikamente zu nehmen. Sie demütigten mich und beschimpften mich vor meinen Kindern.


Als ich aus der Haft entlassen wurde, machte ich trotzdem mit meiner Arbeit weiter. Ich schloss mich dem „National Forum For Women’s Rights Concerns“ an, einer Koalition von Frauen aus den ärmsten und abgeschiedensten Regionen Nepals. Mittlerweile hat mein Netzwerk mehr als 27.000 Mitglieder und wir haben schon 36 Gewerkschaften gegründet. Als das Forum eingeladen wurde, eine Schulung für die staatlichen Sicherheitskräfte zu organisieren, wurde ich gebeten, das zu übernehmen. Ich hatte Angst davor, aber ich tat es. Ich sagte den Soldaten, dass ich sie vor diesem Training nicht als Brüder sah. Sie waren es, die mich misshandelt hatten. Aber das hat sich geändert. Das Sicherheitssystem verändert sich und wird demokratischer. Die Soldaten haben mich in dieselbe Kaserne eingeladen, wo ich vor Jahren als Gefangene gelebt hatte, um für sie ein Training abzuhalten. Heutzutage bekomme ich von den Behörden viel Anerkennung für meine Arbeit. Menschen, die mich früher beschimpft haben, grüßen mich heute. Und jetzt bin ich hier, um meine Erfahrungen mit UN-DiplomatInnen zu teilen.“