Datum: 09. Oktober 2012

 

 

 

 

 

DIE FAKTEN

 


 

 

 IHRE GESCHICHTE

 

"Eines Tages vielleicht, aber nicht heute."

 

Rechtlich gesehen war Mukeshwaris Verheiratung eigentlich verboten - sie war erst 15 Jahre alt. Aber Mukeshwari lebte in Thuadabri, einem ländlichen Dorf in Indien, wo Mädchen traditionellerweise in der Pubertät verheiratet werden. Und ihr Großvater bestand darauf. „Der Mann ist gut, die Familie ist gut“, sagte er. „Diese Möglichkeit ergibt sich vielleicht nie wieder.“ Der Bräutigam war ein älterer Mann, ein Kraftfahrer aus einem nahegelegenen Dorf. Doch Mukeshwari wollte keine "gute Partie" machen, zumindest nicht mit 15. „Ich wollte nicht heiraten“, erklärt sie. „Ich wollte weiter zur Schule gehen.“ 


Eine frühe Heirat ist für Mädchen wie Mukeshwari mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Mädchen, die früh heiraten, brechen eher die Schule ab und haben weniger Chancen auf wirtschaftliche Unabhängigkeit. Zudem sind sie oft körperlicher und sexueller Gewalt durch ihre Ehemänner ausgesetzt. Sie haben nur wenig oder gar keine Kontrolle darüber, ob und wann sie Kinder bekommen. Wenn sie schwanger werden, sind die Mädchen viel mehr Risiken bei der Schwangerschaft ausgesetzt als ältere Frauen.


Unter anderen Umständen hätten Mukeshwaris Eltern die Ehe vielleicht verhindert. Aber ihre Familie war arm und ihre Eltern waren auf Arbeitssuche im benachbarten Bundesstaat Maharashtra. Als Mukeshwari erfuhr, dass ihr Großvater die Ehe bereits arrangiert hatte, konnte sie sich nur an ihre FreundInnen wenden - und an Parwati Sahu. Parwati hat eine Ausbildung bei CARE gemacht und arbeitet als freiwillige Helferin im Gesundheitsbereich in Thuadabri. Zu ihren vorwiegenden Aufgaben gehört die Arbeit mit Müttern und kleinen Kindern. Aber Parwati und die anderen freiwilligen HelferInnen wurden von CARE auch zu „AkteurInnen des Wandels“ ausgebildet. Das sind Personen, die traditionelle Praktiken im Umgang mit Frauen und Mädchen verändern wollen.


Parwati hatte mit Mukeshwari und anderen jungen Mädchen im Dorf über Familienplanung und Kinderhochzeiten gesprochen. Sie wusste sofort, dass Mukeshwaris Ehe ein Fehler wäre. Parwati ging mit Mukeshwari, ihren FreundInnen und anderen HelferInnen zu Muskeshwaris Großvater, um mit ihm zu sprechen. Er war unnachgiebig: Er hatte die Ehe mit der Mutter des Bräutigams vereinbart und wollte zu seinem Wort stehen. Darum ging Parwati zum Panchayat, dem Vorgesetzten des Dorfrats, um diesen Fall vorzutragen.


Glücklicherweise hatten Parwati und Mukeshwari das Recht auf ihrer Seite. Der Panchayat entschied, die Eheschließung aufzuschieben, bis Mukeshwari mindestens 18 Jahre alt war. Auch ihr Großvater musste diese Entscheidung der Gemeinschaft akzeptieren. Es war das erste Mal, dass eine Zwangsverheiratung in Thuadabri verhindert werden konnte, aber es wird nicht das letzte Mal bleiben. Mit Parwatis Hilfe wurde im Dorf ein kleines Komitee gegen die Verheiratung von Minderjährigen gegründet. Die Komiteemitglieder besuchen Familien mit jugendlichen Mädchen, um über Probleme, die durch Kinderhochzeiten entstehen, aufzuklären.


Mukeshwari kann nun wieder in die Schule gehen. Sie ist glücklich. „Ich möchte zur Zeit niemanden heiraten“, berichtet sie. „Ich möchte Ärztin werden. Ich werde nach Thuadabri zurückkommen und dafür sorgen, dass alle gesund bleiben.“

 

 

WIE HILFT CARE?

 

CARE setzt sich weltweit gegen (Zwangs-) Verheiratungen von Mädchen ein. Neben der Bekämpfung von Armut engagiert sich CARE vor allem im Rahmen von Bildungs- und Aufklärungsprogrammen. So wird die Problematik von Kinderheiraten regelmäßig im Rahmen von CARE-Kleinspargruppen thematisiert, an denen Mütter minderjähriger Töchter ebenso wie potenziell von (Zwangs-)Verheiratung bedrohte Mädchen teilnehmen.

 

Außerdem fördert CARE in mehreren Projekten die Schulbildung von Mädchen. Beispielsweise wird derzeit in einer Schule in Nakatindi im Süden von Sambia ein neuer Schulblock für die 8. und 9. Klasse errichtet, wodurch Mädchen eine höhere Schulbildung abschließen können. Auch in Afghanistan unterstützt CARE den Bau neuer Schulen in abgelegenen Gemeinden, wovon 3.000 Kinder, darunter über die Hälfte Mädchen, profitieren.