Südkaukasus: Frauen stärken!
Nana denkt an ihre Klavierstunden als die “süßesten Momente” ihres Lebens zurück. „Ich kann mich immer noch an die Mondschein-Sonate erinnern“, sagt sie. Die junge Mutter aus Georgien ist erst 26 Jahre alt, aber sie hat schon viel Leid in ihrem Leben ertragen müssen.
Als sie 15 Jahre alt war, zwangen ihre Eltern sie dazu, einen 28-jährigen Mann zu heiraten. Es gab keine Hochzeit. Die Ehe begann, als ihr neuer Ehemann kam und sie gewaltsam aus dem Haus von Freunden wegbrachte. „Ich habe geweint und geschrien, dass mir jemand helfen soll. Doch es kam niemand.“, sagt sie. Nana wurde bald mit ihrem Sohn schwanger. Sie versuchte, weiterhin in die Schule zu gehen, um ihren Musikunterricht weiter zu führen, aber ihr Ehemann folgte ihr in die Schule und zerrte sie nach Hause.
Nana wollte ihren Mann verlassen, doch sie hatte niemanden, wo sie hingehen konnte. Als sie zu ihren Eltern zurückzog, fand er sich dort eines Tages vollkommen betrunken ein und warf große Steine gegen die Fenster. Die Polizei weigerte sich, einzugreifen. Sie nannten es eine „Familienangelegenheit“. Schließlich befreite sich Nana, indem sie bei Verwandten Schutz suchte, die mehr als 90 Kilometer weit weg wohnten. Nachdem sie drei Monate dort war, gab ihr Mann endlich auf und akzeptierte eine Scheidung. Nana kehrte mit ihrem Sohn in ihr Dorf zurück, um ein neues Leben anzufangen. Doch ihre Hoffnungen
wurden zerstört, als der Konflikt zwischen Georgien und Russland über Süd-Ossetien wieder aufflammte und 2008 ein Krieg ausbrach. ´
Wie viele andere Kleinbauerfamilien verlor auch Nanas Familie ihr Ackerland. Ohne Geld und Hoffnung litt Nana zu Hause still vor sich hin. „Ich sah keinen Platz mehr für mich in der Welt“, sagt sie. Eine besorgte Nachbarin erzählte Nana von einem CARE Programm, das Frauen in Post-Konflikt-Zonen im Kaukasus unterstützt und über ihre Rechte aufklärt.
Nana hatte sich nie damit beschäftigt, wie sie ihre Rechte einfordern konnte. Als sie endlich damit anfing, fiel es ihr viel leichter, ihr eigenes Leben zu kontrollieren. So hat sie sich erfolgreich mit den Schulbeamten auseinandergesetzt, die ihrem Sohn die ihm zustehenden kostenlosen Schulbücher verweigern wollten. Und dann ging sie gegen ihren Exmann vor Gericht, wo ihr monatliche Alimente zugesprochen wurden.
„Ich bin stärker geworden. Früher wäre ich nicht in der Lage gewesen, das alles durchzusetzen“, erklärt Nana, „Ich würde den Kindern hier sehr gerne Musikunterricht geben.“ Alles, was sie dazu braucht, ist ein Klavier.
Das 1325-Projekt "Frauen fördern, Frieden sichern" wird von EuropeAid und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit finanziert.
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