Datum: 16. August 2012

Mehr Bewusstsein für Schutz und Sicherheit schaffen

 

Der Welttag der humanitären Hilfe erinnert an den Anschlag auf den Hauptsitz der Vereinten Nationen in Bagdad am 19. August 2003. 22 Personen starben an diesem Tag – unter ihnen der UN-Gesandte Sergio Vieira de Mello.

 

Barry Steyn, verantwortlich für den Bereich Sicherheit bei CARE, spricht über Sicherheitsherausforderungen für humanitäre HelferInnen. 



Sind humanitäre HelferInnen heute mehr Sicherheitsrisiken
ausgesetzt als vor zehn Jahren?

Im Vergleich zu den letzten zwanzig, dreißig Jahren und vor allem
zum letzten Jahrzehnt haben sich die Risiken für MitarbeiterInnen von Nichtregierungsorganisationen sehr verändert. Früher wurden sie sehr gut und offen aufgenommen und ihre Arbeit wurde geschätzt. Heutzutage werden sie leider viel zu schnell nach ihrem Namen und ihrer Herkunft beurteilt und nicht für das, was sie tatsächlich vor Ort leisten. Nichtregierungsorganisationen werden als AußenseiterInnen angesehen, da sie eine fremde Kultur repräsentieren, die als Bedrohung für die Dorfgemeinschaften angesehen wird.
In den letzten zehn Jahren stieg die Anzahl der Überfälle und Todesfälle beträchtlich. Zwar konnte nach 2009 ein leichter Rückgang verzeichnet werden, das lag aber primär daran, dass weniger internationale HelferInnen in gefährlichen Gebieten tätig waren. Die Statistiken beziehen sich stets auf Regionen wie Darfur, Somalia, Sudan und Afghanistan. 

 

Welche Strategien werden entwickelt, um dem erhöhten Risiko für humanitäre Helfer zu begegnen?

Man unterscheidet zwischen drei klassischen Strategien: Akzeptanz, Schutz und Abschreckung. CARE strebt die Akzeptanz-Strategie an. Lokale Gemeinschaften sollen verstehen, dass CARE vor Ort ist, um zu helfen. Sie nehmen aktiv Teil an unserer Arbeit, unterstützen uns und beschützen uns oftmals vor Bedrohungen. Jedoch funktioniert diese Strategie nicht immer und überall, weswegen wir unseren Ansatz weiterentwickeln mussten.
Unter der Strategie des Schutzes versteht man Schutzmaßnahmen, die die Verwundbarkeit unserer MitarbeiterInnen reduzieren, bspw. etwa dadurch, dass bewaffnete Wachmänner unsere MitarbeiterInnen, Programme und Güter ständig begleiten. Betrachtet man die aktuelle Situation genau, erkennt man im letzten Jahrzehnt einen massiven Anstieg an öffentlicher Aufmerksamkeit und  Investitionen im Bereich Schutz und Sicherheit.

 


Welche Gefahren drohen den humanitären Helfern im Moment?

In den letzten zwei Jahren nahmen Überfälle und Entführungen leider zu. Eine hohe Anzahl an humanitären HelferInnen wurde entführt -  aufgrund von politischen und ideologischen Gründen oder der Tatsache, dass humanitäre HelferInnen in vielen Teilen der Welt wie finanzielle Produkte behandelt werden.
Oft wird über die Sicherheit von internationalen MitarbeiterInnen gesprochen, jedoch sind 90 Prozent der humanitären HelferInnen nationales Personal. Der Anteil von lokalen MitarbeiterInnen, die Entführungen oder Morden zum Opfer fallen, ist deutlich größer. Jeder besitzt ein Risikoprofil, da die verschiedenen Risikotypen durchaus unterschiedlich sein können. Die Art und der Grad des Risikos richten sich nach Geschlecht, Nationalität, Herkunft und Religion. Wir müssen jedes MitarbeiterInnenprofil genau betrachten um zu analysieren, welches Risiko sie wann und an welchem Ort treffen könnte.

 

Was muss die humanitäre Gemeinschaft tun, um die Mitarbeiter zu schützen?

Wir entwickeln unsere Sicherheitsstrategie ständig weiter und konnten schon deutliche Fortschritte machen. Trotzdem müssen wir weiterhin viel in Sicherheit investieren und uns versichern, dass die Sicherheitsproblematik einen hohen Stellenwert hat.
Am Wichtigsten ist jedoch, dass wir unseren Ansatz der Akzeptanz nicht vergessen, während wir andere Strategien ergänzend anwenden. Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, dass wir das, was wir tun, nicht für uns tun. Wir tun es, um den Menschen zu helfen, mit denen wir zusammenarbeiten.