Mali: Weit weg von zuhause
Von Eve-Marie Betrand
Bewaffnete Männer plünderten ihr Dorf. Sie töteten Soldaten, Regierungsbeamte sowie Gefängniswärter und befreiten Gefangene, um Terror zu schüren. „Mein Mann hörte die Schüsse. Er wusste sofort, was los war. Er sagte mir, ich solle mit den Kindern flüchten, und dass er ein paar Tage später zu uns stoßen würde. Ich hatte solche Angst. Wir flohen aus unserem Dorf, wo die Bewaffneten alles verwüsteten, zu meiner Mutter nach Djenne, Mali. Sie lebt von dem Verkauf von Palatschinken. Wir sind jetzt zehn Personen in ihrem Haus. Auch mein Ehemann musste fliehen, er konnte nicht in unserem Dorf bleiben. Ohne die Hilfe von CARE hätten wir es nie geschafft! Wir haben alles verloren, als wir unser Zuhause verließen – ALLES! Ich weiß, dass ich meine persönlichen Sachen nie wieder zurückbekommen werde.
Aber ich habe immer noch meine Familie hier
und alle sind am Leben.“, erklärt Sarata.
Neben ihr sitzt ein sehr dünner Mann, der mit leerem Blick vor sich hin starrt. Auch er hatte alles zurückgelassen, sogar seine Frau und Kinder. Seit dem Tag, als er aus seinem Dorf fliehen musste, ist er vollkommen verwirrt. Als ich ihn frage, warum seine Familie nicht bei ihm sei, kann er mir keine Antwort geben. „Ich möchte zurück nach Hause gehen – zurück zu meinem Leben, wie es vorher war“. Das ist alles, was er mir sagen kann. Wie er heißt? Er ist sich nicht mehr sicher.
Auch Mariama ist mit ihrer Schwester und den Kinder geflohen, als die bewaffneten Truppen ihre Gemeinde überfielen. Ihr Ehemann blieb, weil er sein Geschäft und ihre persönlichen Besitztümer nicht verlieren wollte. Sie ist 20 Jahre alt. Sie hat ein sieben Monate altes Baby, das sie noch stillt, und ein fünfjähriges Kind. Jetzt wohnen sie alle bei ihrer Mutter. Mariama hat von CARE ein Packet mit wichtigen Hauhaltsutensilien (Becher, Pfanne, Decken, Matten, Seife) erhalten, aber die Familie benötigt dringend mehr Lebensmittel. Ihr kleines Mädchen weint. Sie ist hungrig, aber Mariama hat keine Muttermilch mehr. „Es gibt nicht viel“, erklärt mir Mariama. „Wir haben nicht genug zu essen“. Aber sie lächelt und erzählt mir von ihren Träumen für ihre Töchter. Eines Tages werden ihre Töchter eine Ausbildung bekommen. Sie werden Medizin studieren oder vielleicht als Lehrerinnen unterrichten. „Eines Tages werden wir nach Hause zurückkehren.“
All diese Menschen sind nur vorübergehend hier, bis sich die Lage wieder beruhigt hat. Sie zählen zu den „Internally Displaced Persons“, also Binnenflüchtlingen und intern Vertriebenen - den Opfern menschlicher Konflikte, die bei humanitären Katastrophen oft übersehen werden.
Mit Ihrer Unterstützung können wir unsere Nothilfe ausweiten! Senden Sie ein CARE-Paket!
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