Tschad: Überleben am seidenen Faden

Der zweijährige Ibrahim sitzt auf dem Boden und trinkt einen tiefen Schluck Wasser aus einem Topf, der so groß ist wie sein Kopf. Als er fertig ist, lacht er glücklich. Ibrahims Beweglichkeit und sein zufriedenes Lächeln sind höchst erstaunlich, wenn man sieht, wie schwach er eigentlich ist. Seine Arme und Beine sind viel zu dürr und auf dem Kopf wachsen bloß ein paar Haare. Er steht auf und jagt die Ziegen im Kreis herum. Dann geht er nach draußen und scheidet das Wasser aus, das er gerade getrunken hat.

Es ist schwer zu sagen, ob Ibrahims Durchfall und Austrocknung zu seiner Unterernährung führten oder umgekehrt. „Er hat jetzt seit zwei oder drei Monaten Durchfall“ erklärt seine Mutter Fatima Abbakar-Gedala. „Der Arzt hat ihn kürzlich untersucht und mir Medikamente gegeben, aber die sind jetzt aufgebraucht.“ Sie möchte den kleinen Ibrahim wieder ins Krankenhaus bringen, aber dafür müsste sie einen 30 Kilometer langen Fußmarsch zurücklegen.
Familien, die wie Fatima am Rande der Sahara leben, kämpfen jeden Tag ums Überleben. Früher als es noch genügend Wasser gab, konnten die Menschen von Landwirtschaft und Viehzucht leben. Aber der Regen fällt immer unregelmäßiger und die Dürreperioden werden länger.
"Ich halte jeden Tag nach Regen Ausschau."
Trinkwasser - darum dreht sich hier alles. Meistens benutzen die BewohnerInnen selbstgegrabene Brunnen und ziehen das Wasser mit Eimern und Seilen nach oben. Frauen müssen lange Strecken zurücklegen und oft mehrere Stunden warten, bis sie ihre Kanister an den wenigen Wasserstellen auffüllen können. Die 60-jährige Tamboshe Dere füllt mit drei ihrer Enkel Kanister an einer von CARE reparierten Pumpe auf. „Dieses Jahr gibt es
kaum Wasser“, erklärt sie. „Der Boden ist zu trocken und für das Vieh gibt es nichts zu grasen. Viele Leute sind mit ihren Tieren in den Süden gewandert." Alle Bewohner hoffen darauf, dass es endlich regnet. "Ich halte
jeden Tag nach Regen Ausschau. Er muss bald kommen.“
Die letzte Regenzeit war schlecht: der Regen fiel selten und in unregelmäßigen Abständen. Für viele Familien reichte die Ernte nur wenige Tage oder Wochen, andere ernteten gar nichts.
Glücklicherweise erhalten Makabahar und Fatima von
CARE Essen. Fatima, die Mutter des kleinen Ibrahim, hat erst sehr spät von CAREs Lebensmittelausgabe gehört. Trotzdem hat sie es geschafft, sich rechtzeitig zu registrieren und die gleiche Ration zu erhalten. Nun ist
sie in der Lage, ihre gesamte Familie für weitere sechs Wochen zu ernähren, wofür sie sonst alle ihre verbleibenden Ziegen verkaufen müsste.
Fotos: Brendan Bannon/CARE 2012
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