Kein Feiertag: Der erste Geburtstag des Südsudan
Der Südsudan ist das jüngste Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft. Das Land feiert am 9. Juli seinen ersten „Geburtstag“, 2011 fand nach einem Referendum die Staatsgründung statt. Der jüngste Staat der Welt ist aber gleichzeitig einer der ärmsten. Claudia Futterknecht, seit letztem Jahr Länderdirektorin im Südsudan, berichtet über die Situation im Land:
„Eigentlich ist ein Geburtstag ja ein Grund zu feiern. Aber der Südsudan leidet momentan unter einer schweren Krise. Jahre chronischer Unterentwicklung, Konflikte und Naturkatastrophen haben die Gemeinden hier sehr geschwächt. Eine von sieben Frauen stirbt während der Geburt. 84 Prozent der weiblichen Bevölkerung kann weder lesen noch schreiben.
Eines von neun Kindern wird seinen fünften Geburtstag nicht erleben. Die Lebenserwartung im Land liegt bei gerade mal 42 Jahren. CARE und andere humanitäre Akteure schätzen, dass rund 800.000 Menschen im Südsudan Hilfe benötigen. Viele Menschen sind auf der Flucht. Im Yida-Flüchtlingslager im Unity State trafen in den letzten Wochen täglich bis zu 1.000 Menschen ein - doppelt so viele wie zuvor.
CARE unterstützt Flüchtlinge mit medizinischer Notversorgung. Wir impfen Kinder, betreuen Schwangere und junge Mütter, verteilen Moskito-Netze zum Schutz vor Malaria und betreiben einige mobile Kliniken in abgelegenen Gebieten. Gerade Kinder und Frauen leiden besonders unter den unsicheren Lebensbedingungen - zehntausende Kinder leiden unter Mangelernährung. Im Moment reichen die finanziellen Mittel nur für eine Grundversorgung bestimmter Gruppen, etwa Flüchtlinge. Dabei lebt weiterhin ein großer Teil der Bevölkerung in extremer Armut und benötigt ebenso Hilfe.
Im politisch-administrativen Bereich wurde im ersten Jahr einiges aufgebaut, es wurden Behörden sowie Ministerien gegründet und Ausbildungen haben begonnen. Aber das Land fing bei null an und das ist nun mal besonders schwer. Es gab einige positive Entwicklungen – wenn auch nur in kleinen Schritten. Mir ist wichtig, dass am Jahrestag nicht nur über Versäumnisse oder Lücken im politischen Bereich gesprochen wird. Wir benötigen eine andere Form von Not- und Entwicklungshilfe für den Südsudan, und eine langfristige Strategie zur Unterstützung des Staates.“
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