Datum: 01. Oktober 2007

Heimkehr nach Bljeceva

Schauplatz Bljeceva
Bljeceva, ein kleines Nest im Osten von Bosnien- Herzegowina. Am Straßenrand steht ein Baucontainer. Innen: Blitzsauberer Boden, ein Getränkekühlschrank und einfach gezimmerte Stellagen, auf denen Waschmittel, Fruchtsäfte, Babynahrung, Reis und Brot lagern. 15 enge Quadratmeter, nicht mehr. Für Musan Cosic, seine Frau Sadeta und die sieben Kinder – Damir, der Älteste ist 34, Nesthäkchen Melisa 11 Jahre – bedeutet dieser Container die ganze Welt. Denn hier haben sich die Cosics mit Hilfe von CARE einen Gemischtwarenladen aufgebaut – und damit eine neue Existenz. „Der Krieg hat uns zu Flüchtlingen gemacht. Unser altes Haus, nichts stand mehr€, sagt Musan und lächelt müde. „Trotzdem wollten wir zurück, hier ist nun mal unsere Heimat.€

Hoffnung auf Zukunft
In die Schweiz und die USA hat die Odyssee der Cosics geführt. Seit Frühling 2005 ist die 9-köpfige Familie wieder in Bljeceva. Ein Dorf, das zwischen 1992 und 1995 vor allem durch seine Massengräber bekannt geworden ist. Srebrenica liegt nur wenige Kilometer entfernt. „Hazim, ein Verwandter, hat uns alle aufgenommen, als wir wieder zurückkamen€, erzählt Musan, ein ehemaliger Minenarbeiter. „Wir hatten nichts – bis auf einen Traum.€ Nämlich: Einen Gemischt- Warenladen für Heimkehrer zu eröffnen, einen Platz zu schaffen, an dem alle zusammenkommen. CARE half der Familie einen Businessplan zu erstellen, beriet sie in rechtlichen Angelegenheiten und stellte schließlich den Container, einen Kühlschrank und eine Geschäftswaage zur Verfügung.

Nach vorne blicken
Der Container-Shop – und das merkt jeder, der ihn auch nur kurz betritt – ist der ganze Stolz der Familie. Das Geld ist trotzdem nach wie vor knapp. Kaum einer im Dorf kann sich leisten, einzukaufen, viele sind gezwungen, ab Mitte des Monats anschreiben zu lassen. „Es wird aufwärts gehen€, ist Musan überzeugt. „Mittlerweile haben wir sogar neun Schafe.“ Für die Weiterbildung der Ältesten fehlen die Mittel, die jüngsten aber sind in der örtlichen Schule integriert. „Das Wichtigste€, sind sich die Cosics einig, „ist Durchhaltevermögen.€ Denn: Der Weg nach Hause ist lang.